Geschichte der Frühen Neuzeit

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Dagmar Freist, Glaube - Liebe - Zwietracht. Konfessionell gemischte Ehen in Deutschland in der Frühen Neuzeit. De Gruyter: München (bibliothek altes Reich (baR) Bd. 14), ISBN/EAN: 978-3-486-85824-2 (am 20.02.2017 erschienen)

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"Wann der Vater Papistisch ist, nimmt er seine Söhne mit zur Messe, die Mutter nimmt ihre Töchter mit zur reinen Kirchen. Da ist keine rechte Liebe, oder man hält wenig von der Religion…" Religiös-konfessionell gemischte Ehen waren in der Frühen Neuzeit aus Sicht der Obrigkeit, der Kirchen und Familien unerwünscht, doch sie konnten selten verhindert werden. Konflikte um Glaubensfreiheit und Konversion, die Reichweite väterlicher Gewalt und religiöse Kindererziehung schienen unausweichlich und stellten Eheleute und Familien vor große Herausforderungen. In ihrem Buch zeigt Dagmar Freist das spannungsvolle Beziehungsgeflecht von religionsübergreifender Alltagskultur und Geschlechterverhältnis, obrigkeitlicher Konfessionspolitik, Glaubensfreiheit und Gewissenszwang. Religiös-konfessionell gemischte Ehen waren spätestens seit dem frühen 17. Jahrhundert ein Störfaktor – in der christlichen Familie, die auf der Einheit von Geist und Körper im Glauben beruhen sollte, im Staat, der sich um einen konfessionell homogenen Untertanenverband bemühte, für die Kirchen, die mit ihrem Monopolanspruch auf die Heilsgewissheit um die Gläubigen warben, und für den Reichsreligionsfrieden, der auf das Recht der Gewissensfreiheit auf der einen Seite und auf unantastbare konfessionelle Grenzziehungen und Abgrenzungen auf der anderen Seite gegründet war. Aus mikrohistorischer Perspektive wird das Ineinandergreifen von Alltagshandeln und lebensweltlichen Zusammenhängen beobachtbar in seiner Verwobenheit mit Prozessen der Rechtsetzung, konfessionspolitischen Interessen von Landesherrn und Kirchen, mit der praktischen Reichweite des Westfälischen Friedens und dem politisch-öffentlichen Ringen um die Auslegung religiöser Gewissensfreiheit. Damit bietet die Analyse von religiös-konfessionell gemischten Ehen als einer der denkbar engsten Form religionsübergreifenden Zusammenlebens eine Annäherung an die Auswirkungen religiöser Pluralisierung aus einer von der Forschung bislang kaum eingenommenen Perspektive.

http://www.degruyter.com/view/product/217026?rskey=dzeHeD&result=1

Dagmar Freist, Susanne Lachenicht (eds.), Connecting Worlds and People. Early modern diasporas. Routledge: London 2017 (im Januar 2017 erschienen).

In recent decades historians have emphasised just how dynamic and varied early modern Europe was. Previously held notions of monolithic and static societies, have now been replaced with a model in which new ideas, different cultures and communities jostle for attention and influence. Building upon the concept of interaction, the essays in this volume develop and explore the idea with specific reference to the ways in which diasporas could act as translocal societies, connecting worlds and peoples that may not otherwise have been linked. The volume looks at the ways in which diasporas or diasporic groups, such as the Herrnhuters, the Huguenots, the Quakers, Jews, the Mennonites, the Moriscos and others, could function as intermediaries to connect otherwise separated communities and societies. 


Jahrbuch des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Religion und Erinnerung. Band 23, hrsg. von Dagmar Freist und Matthias Weber. De Gruyter: München 2015.

Dagmar Freist (Hrsg.), Diskurse – Körper – Artefakte. Historische Praxeologie in der Frühneuzeitforschung. transcript Verlag: Bielefeld 2015 (Reihe Praktiken der Subjektivierung, Bd. 5)

Ausgehend von der These, dass die gesellschaftliche Dynamik der frühen Moderne weder strukturalistisch noch handlungstheoretisch ausreichend erklärbar ist, beschäftigen sich die Beiträge in diesem Band mit Praktiken der Selbstbildung – etwa als jüdischer Offizier, als Jungunternehmer, als Arzt, als kinderlose Frau, als Weltreisende oder als Konvertit. Sie fragen danach, wie sich Menschen im praktischen Zusammenspiel von Diskursen, Körpern und Artefakten entwarfen, sozial/räumlich verorteten und anerkannt wurden, und zeigen auf, wie kulturelle Deutungsschemata im Vollzug sozialer Praktiken aktualisiert wurden. Die so entstehenden Spannungen, die praxistheoretisch unzureichend als Nichtpassungen beschrieben worden sind, werden als fruchtbare Reibungen analysiert, die Reflexivität und Kritik ermöglichen und gesellschaftlichen Wandel hervorbringen.

Zur Verlagsseite mit Autoreninterview und Leseprobe: http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-2552-3/diskurse-koerper-artefakte

Selbst-Bildungen. Soziale und kulturelle Praktiken der Subjektivierung, hrsg. von Thomas Alkemeyer, Gunilla Budde, Dagmar Freist. transcript Verlag: Bielefeld 2013 (Reihe Praktiken der Subjektivierung).

Was »macht« ein Subjekt? Die Doppeldeutigkeit dieser praxistheoretischen Frage ist beabsichtigt: Mit dem Subjekt wird etwas getan - aber es wird auch selbst aktiv. Indem es eine kulturelle Subjektform verkörpert, wird es nicht nur als zurechnungsfähiger Akteur anerkennbar, sondern beeinflusst auch seine Umgebung. Mit dem Begriffspaar »Selbst-Bildung« und »Subjektivierung« gerät somit zugleich das spannungsvolle Ineinander von Doing Subject und Doing Culture in den Blick. Die geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Beiträge dieses Bands eint das Anliegen, kulturelle Spielräume der Subjektivierung unabhängig von gängigen historischen Epocheneinteilungen auszuloten.

http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1992-8/selbst-bildungen

Rezension: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-21180

 

 

Hinter dem Horizont 2. Distinktion und Projektion ländlicher Oberschichten im europäischen Vergleich, 17. bis 19. Jahrhundert, hrsg. von Dagmar Freist, Frank Schmekel. Aschendorff Verlag: Münster 2013.

Verflechtungsprozesse Europas in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht sind in den vergangenen Jahren verstärkt von der Forschung in den Blick genommen worden. Nahezu völlig ausgeblendet wurden bislang allerdings Fragen nach der Verflechtung ländlicher Regionen mit europäischen Märkten, Konsumverhalten und Kennerschaft, dem Phänomen der Glokalisierung sowie die Bedeutung von Bildung und Amtsausübung für die Herausbildung distinkter sozialer Gruppen in der ländlichen Gesellschaft. In europäisch vergleichender Perspektive analysiert dieser interdisziplinär angelegte Sammelband, wie sich ländliche Oberschichten in sozialen Praktiken entwerfen, zu erkennen geben und anerkannt werden und betont dabei die Relevanz von Dingen als Ko-Akteure des Sozialen.