Projekt "Cascade Use"

Supply Chains und Märkte

Industrien werden zunehmend herausgefordert aufgrund steigender Nachfrage gepaart mit erhöhter Volatilität auf den Rohstoffmärkten und Knappheit bestimmter Rohstoffe. Außerdem nimmt die Bedeutung der Erweiterten Produzentenverantwortung (extended producer responsibility, EPR) für Konsumenten und gesetzgebende Institutionen zu. Aus diesen Gründen werden „Abfälle“ als Quelle für Rohstoffe immer wichtiger, da normalerweise neue Rohstoffe und Produkte mehr Ressourcen für ihre Herstellung benötigen als Sekundärrohstoffe oder instandgesetzte Produkte. Besonders Reuse und Recycling erlaubt die Bereitstellung von Produkten und Materialien, die einen positiven Marktwert erzielen. Beispiele dafür sind instandgesetzte Fahrzeugkomponenten oder Gummi aus dem Altreifenrecycling (s. Altreifen).

Für ein ökonomisch sowie ökologisch sinnvolles Reuse oder Recycling ist es jedoch wichtig die dazugehörigen Märkte und deren systemischen Kontext zu verstehen. So leidet beispielsweise das Remanufacturing (Instandsetzung in Neuteilqualität von Produkten und Komponenten) unter Beschaffungsproblemen bzw. Versorgungsengpässen. Dies könnte beispielsweise daran liegen, dass die Ausgangsprodukte (gebrauchte Produkte oder Komponenten) in anderer Form höhere Profite für die beteiligten Akteure in den Supply Chains ermöglichen. Hier wird häufig empfohlen die Produktrückführung durch Anreize oder Gesetze (s.o. EPR) zu verbessern. Dabei wird unterstellt, dass bestimmte Formen des Reuse oder des Recyclings (unter der Federführung bestimmter Akteure) ökologisch vorteilhafter sind als andere. Inwiefern dies jedoch tatsächlich die ökologische Sinnhaftigkeit positiv beeinflusst ist nicht eindeutig, da auch Miet-, Leasing- und Pfandsysteme kein Garant für optimale ökologische Lösungen sind. Deshalb ist es erforderlich Strukturen von Märkten und Lieferketten für sog. End-of-Life Produkte und Sekundärrohstoffe zu verstehen.

Im Kontext dieses komplexen Themenfeldes erforscht die Forschergruppe Cascase Use welche systemischen Zusammenhänge die Versorgungs- und Beschaffungssituation besonders auf Märkten für das automobile Remanufacturing beeinflussen. Außerdem untersucht sie die Frage der ökologischen Sinnhaftigkeit unterschiedler Supply Chain Modelle.

Erste Ergebnisse wurden bereits auf Konferenzen vorgestellt, so z.B. identifizierte Widersprüche zwischen Theorie und Praxis und Erkenntnisse zum Supplier Relationships Management von unabhängigen Akteuren in der Circular Economy. Weiterhin sind Erkenntnisse aus diesem Kontext auch in Überlegungen zum Lifecycle Management eingeflossen. Zusätzliche Studien befinden sich derzeit im Einreichungs- oder Veröffentlichungsprozess.

 

Figure: Car pool “leakage” and competition at the end-of-life