Kooperation mit dem Klinikum Oldenburg

VOLL-FRÜH-WEIT
Versorgungsstudie in Oldenburg zu notwendigen Hilfen für Familien mit Frühgeburten und weit entferntem Heimatort

Die Studie VOLL-FRÜH-WEIT ist ein Gemeinschaftsprojekt von Priv.-Doz. Dr. Joseph Rieforth der Universität Oldenburg und Prof. Dr. med. Jürgen Seidenberg sowie Dr. Oda von Rahden vom Zentrum für Kinder-und Jugendmedizin des Klinikums Oldenburg.

Ziel dieser Studie ist es, belastende Faktoren durch eine wohnortferne Versorgung eines sehr kleinen Frühgeborenen auf das Familiensystem möglichst umfassend zu erheben, um auf der Grundlage dieser Erhebung individuelle Versorgungslücken aufzuzeigen und präventiv entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Die Projektlaufzeit beträgt zwei Jahre (01.09.2011 bis 31.08.2013).

Das Projekt wird gefördert durch die Kroschke Stiftung für Kinder, Hamburg.

Projektpartner/-verbund

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. med. Jürgen Seidenberg (Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Oldenburg)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Dr. Oda von Rahden (Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Oldenburg)

Wissenschaftliche Begleitung:
Priv.-Doz. Dr. Joseph Rieforth (Center für lebenlanges Lernen, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)

Anlass der Studie

Zur Gewährleistung einer optimalen Behandlungsqualität werden Frühgeborene mit Gewicht unter 1.250 g oder mit einem Gestationsalter unter 29+0 Schwangerschaftswochen nur in Perinatalzentren mit Level 1 versorgt. Da nur wenige Kinderkliniken die Anforderungen eines Level-1-Zentrums erfüllen, geht die Versorgung von Frühgeborenen häufig mit erheblichen Anfahrtswegen einher. Für das Level 1-Perinatalzentrum des Klinikums Oldenburg bedeutet dies, dass Patienten aus einem sehr großen Einzugsgebiet, mitunter mit einer Entfernung zum Heimatort von über 100 km, zugewiesen werden.

Zur Vermeidung von Nottransporten von Frühgeborenen, werden Risikoschwangere, bzw. Schwangere mit Frühgeburtsbestrebungen bereits in das Oldenburger Perinatalzentrum verlegt. Die stationäre Überwachungszeit der Schwangeren erstreckt sich zumeist über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Hieran schließt sich die stationäre Behandlung des früh geborenen Kindes an. Während dieser wochen- bzw. monatelangen Zeit leben die Mutter, bzw. die Eltern, getrennt von ihrer Familie im Perinatalzentrum und, nach der Geburt, im angegliederten Elternhaus (Ronald McDonald-Haus).

In diesem Zeitraum müssen die Eltern des Frühgeborenen vielfältige schwierige Situationen bewältigen. Auf der einen Seite steht die Begleitung des früh geborenen Kindes, die gekennzeichnet ist durch Sorgen und Hoffnungen und dem Aufbau der Eltern-Kind-Bindung. Auf der anderen Seite sind ggfs. zusätzlich auftretende Versorgungsengpässe der zu Hause lebenden älteren Kinder zu bewältigen sowie berufliche Verpflichtungen zu bewerkstelligen.

Somit ist nicht nur die risikoreiche Entwicklung des frühgeborenen Kindes zu bewältigen, sondern auch die Trennung vom Lebenspartner. Traumatische Grenzerfahrungen sind möglicherweise die Folge.

Ziel der Studie

Belastende Faktoren durch eine wohnortferne Versorgung eines sehr kleinen Frühgeborenen auf das Familiensystem sollen möglichst umfassend erhoben werden. Dies geschieht in einem direkten Vergleich zu Frühgeborenen, die aus Oldenburg stammen und deren Eltern zu Hause übernachten. Weiterhin werden die verschiedenen Lösungsstrategien, in Abhängigkeit von den verfügbaren Ressourcen, sowie die Defizite, die trotz aller Hilfen verbleiben, erfasst.

Regelmäßige Gesprächskontakte mit systemisch orientierten Familientherapeuten sollen weiterhin dazu beitragen, aufkommende Probleme in dem familiären Umfeld frühzeitig zu erfassen und ggf. geeignete Interventionsformen auszuwählen.

Die gewonnenen Daten liefern die Grundlage für die Entwicklung eines strukturierten Erhebungsbogens, der es ermöglicht, individuelle Versorgungslücken aufzuzeigen und präventiv entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die Einbeziehung von zuweisenden Geburtshelfern und nachbetreuenden Kinderkliniken sollen hierbei Versorgungsübergänge erleichtern.

Studiendesign

In einer qualitativen Längsschnittstudie werden insgesamt 12 betroffene Familien aus dem Oldenburger Umland und der Stadt Oldenburg herangezogen und zu drei Zeitpunkten - teilweise getrennt voneinander - befragt. Der Fokus soll hierbei auf den Eltern und den eventuellen Helferpersonen liegen.
Die Erhebung erfolgt nach der Methode des problemzentrierten Interviews (nach Witzel) in Kombination mit einem Kurzfragebogen. Dieses Vorgehen bietet den Befragten einen breiten Antwortspielraum, der es ermöglicht, bislang unbekannte Aspekte und Zusammenhänge aufzudecken und subjektives Erleben sowie individuelle Problemlagen umfassend darzustellen. Die Auswertung der Interviews erfolgt nach der Methode der Inhaltsanalyse (nach Mayring).

Die Entwicklung und die wissenschaftliche Begleitung des Studiendesigns erfolgten in Abstimmung mit Priv.-Doz. Dr. Joseph Rieforth von der Universität Oldenburg, Ausbildungsstätten für Psychotherapie und Hochschulambulanzen.

 

 

Kontakt:

Priv.-Doz. Dr. Joseph Rieforth

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