Betriebliche Sozial- und Suchtberatung (BSSB)

Leitbild und Arbeitskonzeption

Für die Philosophie der BSSB steht verkürzt der Slogan

Qualifiziert beraten -

verantwortlich handeln

mit dem Anspruch, den Gesichtspunkten betrieblicher Rationalität das Primat umfassender Qualitätssicherung unter Ausrichtung an den ethisch-humanen Ansprüchen beraterisch-therapeutischer Arbeit voranzustellen.

Im Rahmen dieses Anspruches wird nicht verleugnet, dass Arbeitgeber von betrieblichen Sozial- und Suchtberatungen ".... in erster Linie eine Harmonisierung zwischenmenschlicher Beziehungen und die Reduktion von Krankenstand und Fluktuation erwarten". Das Ziel der für das Unternehmen freiwilligen - ohne Rechtsanspruch der Arbeitnehmer - Einrichtung von betrieblichen Sozialberatungen ist ".... die Humanisierung der Arbeitswelt zur Gewinnmaximierung zu nutzen. Es gilt, die Leistungskraft der Mitarbeiter zu stabilisieren, so dass Existenz und Wachstum des Unternehmens durch das Humankapital gesichert werden" (Doris Lau-Villinger). Dieses gilt in vergleichbarer Weise für die öffentlichen Arbeitgeber, indem z.B. herausgestellt wird, dass ".... Maßnahmen ... zur Humanisierung der Arbeit ... die allgemeine Arbeitsleistung" heben und ".... die Erhöhung der Leistungsfähigkeit ... die soziale Gestaltung von Arbeitsbedingungen nicht" ausschließt (Rahmenkonzept zur Personalentwicklung in der nds. Landesverwaltung, S.40).

Wenn sich darin ein Widerspruch zwischen Interessen des Arbeitgebers und der Beschäftigten widerspiegelt bzw. Humanisierungsmaßnahmen ausschließlich instrumentalisiert werden im Sinne der Produktivitätssteigerung, hat die betriebliche Sozial- und Suchtberatung eindeutig Stellung für ihr Klientel zu beziehen. Die Frage ist aber, ob es sich - allgemein und/oder im Einzelfall - um ein Antagonismus handelt oder lediglich um ein Spannungsfeld, in dem - unter bestimmten Prioritäten - beider Interessen bedient werden kann. Auf der Ebene: "Ein 'gesunder' Betrieb wirtschaftet um so erfolgreicher, je gesünder seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind. Ein gesunder Mitarbeiter ist zufriedener, motivierter und auch kreativer - mit dem Ergebnis entsprechend guter Arbeitserfolge." (Prof.Dr. Rita Süssmuth)

Konkret kann auf der Seite der Arbeitgeber Carl von Ossietzky Universität und Studentenwerk Oldenburg zumindest resümiert werden, dass ihnen keine unsoziale und inhumane, gegen die Interessen der Beschäftigten gerichtete Unternehmenspolitik zu unterstellen ist. Insoweit steht das Leitbild und die Arbeitskonzeption der BSSB nicht im Widerspruch zur Unternehmensphilosophie von Studentenwerk und Universität, ist aber aufgrund der Selbstverpflichtung auf Qualität und Verantwortung auch nicht 'verlängerter Arm' oder instrumentalisiertes Organ.

Qualifiziert beraten ...

  • ... bedeutet die Berücksichtigung und Umsetzung von Qualitätsstandards der Beratungsarbeit im Betrieb in Bezug auf die strukturellen und personellen Rahmenbedingungen der BSSB, den Beratungsprozess und die Erzielung eines Ergebnisses
  • ... bedeutet die Realisierung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses im Sinne von Kunden und Klienten der BSSB
  • ... bedeutet selbst für den kleinen Bereich der BSSB eine angemessene Umsetzung von Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung

Verantwortlich handeln ...

  • ... beinhaltet hinsichtlich des Beraters die Verpflichtung auf ein hohes Maß verantwortlichen Handelns in der gesamten Tätigkeit der BSSB und speziell im beraterischen Prozess
  • ... beinhaltet hinsichtlich der Klienten die Zielrichtung der Übernahme und Stärkung von Eigenverantwortung im Sinne von Selbstverwirklichung, Selbstaktualisierung und Selbsterfüllung
  • ... beinhaltet insgesamt die Berücksichtigung und Einhaltung von Grundprinzipien ethischen Verhaltens in der betrieblichen Sozial- und Suchtberatung.

Hinsichtlich der Arbeitskonzeption ...

steht für die Beratungsarbeit im Mittelpunkt der Versuch ganzheitlicher Hilfe mit dem Ziel, Verantwortung zu übernehmen unter Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen persönlicher Entfaltung, verantwortlichem Handeln und sozialer, gesellschaftlicher Entwicklung. Darin eingebunden sind die bereits oben benannten Maslow'schen Ziele der humanatic psychology: Selbstverwirklichung, Selbstaktualisierung und Selbsterfüllung.

Diese Ziele finden sich wieder in der Integrativen Beratungsarbeit und Therapie, deren Konzept und Methoden die Grundlage der Beratungsarbeit in der BSSB bilden, denn "... es ist die komplexe Wirklichkeit des Menschen selbst, die ein integratives Vorgehen erforderlich macht. Der ganze Mensch in seiner Leiblichkeit, in seiner seelischen Dimension und in seinen geistigen Strebungen und sein Kontext, seine ökologische und soziale Welt, sein Lebensraum, müssen im Zentrum der Humanwissenschaften stehen" (DORSCH).

Übergreifend steht hierfür das Konzept der Ko-respondenz. "Dies bedeutet, daß ein Mensch nicht zu verstehen und zu behandeln ist, wenn er nicht als ko-existierendes Wesen verstanden und behandelt wird, als Wesen, das immer, auch wenn es allein ist, in Beziehung steht und auf Beziehung angewiesen ist." (D.RAHM)

Die von HILARION PETZOLD 1965 geprägte und begründete ‚Integrative Therapie‘, basierend auf der klassischen Gestalttherapie, dem Psychodrama und der Psychoanalyse, hat durch DOROTHEA RAHM eine Konzeptionalisierung für die Beratungsarbeit gefunden. In diesem integrativen Konzept wird Beratung verstanden als ein "... Prozeß, bei dem auf der Grundlage einer intersubjektiven Beziehung ganzheitlich an der Selbstorganisationsfähigkeit des Menschen gearbeitet wird, und zwar

  • durch vertiefte Ein-Sicht im emotionalen, kognitiven, somatomotorischen und sozialen Bereich,
  • durch Förderung eigener Verantwortlichkeit und Entscheidungsfähigkeit,
  • durch konkrete Unterstützung bei der Umsetzung neuer Erlebens-, Denk- und Verhaltensweisen in die reale Situation." (D.RAHM) <dir> </dir>

Dabei liegt in der Beratungsarbeit der Focus nicht in einer defizitären Sichtweise, sondern auf den in jedem Menschen vorhandenen Ressourcen mit dem Ziel der Stärkung von Kompetenz ("..alle Fähigkeiten und Kenntnisse .., die zur Erreichung einer bestimmten Zielsetzung notwendig sind..") und Performanz (".. alle Fertigkeiten, diese Potentiale auch in alltagspraktisches Tun umzusetzen ..")(D.RAHM)

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Für die Beratung bei Suchtproblemen finden außerdem Berücksichtigung die Ansätze der lösungsorientierten Kurzzeittherapie (siehe z.B. FRIEDMANN) oder Kurzzeittherapie bei Alkoholproblemen (siehe BERG/MILLER) sowie die Ansätze von KÖRKEL. Diagnostik und Intervention beruhen auf dem Modell einer multifaktoriellen Suchtgenese und dem Verlaufsmodell des Alkoholabusus nach PROCHASKA & DiCLEMENTE. In der Entwicklung und Stärkung von Veränderungsbereitschaft kommt der motivationalen Intervention eine initiale Rolle zu.

Die Beratung bei psychischen, psycho-sozialen bzw. psycho-sozial-somatischen Problemen sowie Stressbelastungen etc. orientiert sich zudem am salutogenetischen Ansatz von ANTONOVSKY (Salutogenic Management).

Im Rahmen der Klärungshilfe bei Arbeitskonflikten, Teamkonflikten, Mobbingprozessen etc. werden Anregungen der Organisationsberatung (EDWIN NEVIS) und der systemischen Beratung (SCHLIPPE/SCHWEITZER) aufgenommen sowie für die Mediation/Moderation methodische Anregungen von REDLICH/ELLING.

 

Kontakt

Anregungen, Kritik und Diskussionen bitte an

die BSSB Telefon 0441- 798 - 3019

anne.gehlenborg(at)uni-oldenburg.de

  • Betriebliche Sozial- und Suchtberatung
    Universität Oldenburg
    Frau Anne Gehlenborg
    Postfach 2503
    26 111 Oldenburg