Didaktik der Biologie

Müll im Meer – Schülerinnen und Schüler forschen zu Ursachen und Vorkommen von Plastikmüll im Meer-Ein Kooperationsprojekt zwischen der Biologiedidaktik Oldenburg und dem AWI auf Helgoland

Das Thema „Plastikmüll im Meer“ ist seit einiger Zeit in den Fokus des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses gerückt. Seit den 1950iger Jahren ist die Weltproduktion an Kunststoffen von 0,5 Mio. Tonnen auf heutzutage mehr als 300 Mio  angestiegen (APME; Association of Plastics Manufacturers in Europe). Damit einhergehend stieg auch die Menge an Plastikmüll in den Weltmeeren kontinuierlich an. Die Europäische Union (EU) hat
 die Notwendigkeit einer allumfassenden übergeordneten Meerespolitik erkannt, mit der die wirtschaftliche Nutzung des Meeres ökosystemverträglich zu gestalten ist und zugleich die Meeresumwelt geschützt wird: Im Juli 2008 ist die Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) in Kraft getreten. Ziel ist es, einen guten Zustand der Meeresumwelt zu erreichen. Die einzelnen Länder der EU müssen notwendige Maßnahmen ergreifen, um spätestens bis zum Jahr 2020 einen guten Zustand der Meeresumwelt zu erreichen, um die im Meer lebenden Arten und Lebensräume zu erhalten. Dafür wurde auch für die Nordsee ein Programm entwickelt das sieben Ziele umfasst, um den Zustand der Meeresumwelt zu verbessern. Das 5. Umweltziel bezieht sich konkret auf das Thema Abfall im Meer und strebt an, eines Tages wieder „Meere ohne Belastung durch Abfall“  vorzufinden (
Niedersächsisches Ministerium
 für Umwelt, Energie und Klimaschutz 2016, 6). Ein wichtiger Weg dorthin wird über die „Verankerung des Themas Meeresmüll in Lehrzielen, Lehrplänen und –material“ gesehen (MSRL Umweltziel 5-01).


Das von der DBU mit 110.000 Euro geförderte Kooperationsprojekt zwischen der Biologiedidaktik Oldenburg (Prof. Dr. C. Hößle) und dem AWI auf Helgoland  (Dr. Antje Wichels) fokussiert dieses Umweltziel und will durch die Entwicklung didaktisch reflektierter Unterrichtskonzepte einen Beitrag dazu leisten. Denn nicht nur Schülerinnen und Schülern (SuS), sondern auch angehende und erfahrene Lehrkräfte empfinden angesichts zunehmender Komplexität des globalen Themas „Plastik in der Umwelt“ eine zunehmende Unsicherheit hinsichtlich nachhaltiger Handlungsweisen.

Ziel ist es, für Schülerinnen und Schüler (SuS) der Sek II ein didaktisches Konzept im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltigen Konsum anzubieten, das es erlaubt, das Thema Umweltschutz und nachhaltige Nutzung von Ressourcen anhand von Plastikmüll sehr praxisnah zu behandeln, um SuS auf diesem Weg Bewertungs- und Handlungskompetenzen zu vermitteln. Das Projekt hat neben der Vermittlung von experimentellen Kompetenzen das Ziel, für dieses aktuelle Themenfeld Konzepte für SuS anzubieten, die sie dazu befähigen, die Folgen einer Belastung mit Plastikmüll selber einschätzen zu können und sich ein eigenes wissensbasiertes Urteil zu bilden. Bei der Zielgruppe der SuS soll durch die Veränderung des Bewusstseins langfristig eine Weichenstellung im Umgang mit Plastik erreicht werden. Gleichzeitig können die Module von angehenden Lehrern im Rahmen der universitären Ausbildung erprobt werden.

 

Das Thema „Plastikmüll im Meer“ wird aus diesem Grund in einem interdisziplinären Ansatz durch das Zusammenspiel von Fachdidaktikern der Biologiedidaktik der Universität Oldenburg (Prof. Dr. C. Hößle, Anja Wübben), Fachwissenschaftlern (AG Mikroplastik AWI, Dr. Gunnar Gerdts und dem ICBM, Dr. Holger Winkler) sowie dem AWI Schülerlabor OPENSEA (Dr. Antje Wichels) so aufgearbeitet, das Schulklassen und angehenden sowie erfahrenen Lehrkräften qualitativ hochwertige Lernmaterialien zur Verfügung gestellt werden können. Ziel ist es, durch diese enge Kooperation mit der Forschung Lernmodule bestehend aus Lernsequenzen und Experimenten zu entwickeln, die sich einerseits an Außerschulischen Lernorten umsetzen lassen, aber auch leicht abgeändert und an die Gegebenheiten in  der Schule angepasst, in den Unterricht integrierbar sind. Darüber hinaus können ausgewählte Lerneinheiten dem Lernlabor Wattenmeer zur Verfügung gestellt werden, um dort in die Ausbildung angehender Biologielehrkräfte einzufließen.

In enger Zusammenarbeit zwischen dem außerschulischen universitären Lernort Wattenmeerlabor und dem Lernort OPENSEA auf Helgoland werden Lernsequenzen entwickelt, die jeweils kombiniert werden mit experimentellen Einheiten wie Freilandarbeit (z.B. Probennahme am Strand, im Felswatt oder mit dem Boot) oder mit Laborexperimenten (z.B. Untersuchung von Sand- oder Planktonproben) aber auch kombiniert mit chemischen, physikalischen oder biologischen Experimenten. Die SuS erwerben so ein umfassendes modular aufgebautes Hintergrundwissen zum Thema Plastik (u.a. Rohstoffe/Herstellung, Energiebilanz, ökonomische Perspektiven, alternative Rohstoffe) sowie zu Themen wie der Umweltrelevanz von Plastik/Mikroplastik in marinen Ökosystemen (Plastik als Nistmaterial von Seevögeln, Plastik als falsches Futter, Fischernetze als Gefahr (entanglement)), aber auch zu Ansätzen zur Vermeidung/Entsorgung. Konsequenzen für die marine Umwelt und marine Nahrungsnetze werden beispielhaft vorgestellt. In einer Begleitstudie wird ermittelt, wie sich die ethische Bewertungskompetenz und das nachhaltige Konsumwissen der beteiligten Schüler durch die Lernsequenz verändert.

Langfristiges Ziel ist es, einen verantwortungsbewussten und reflektierten Umgang mit Plastikprodukten zu fördern.