Graduiertenschule 3GO

Masterclasses

Im Rahmen der Oldenburg School for the Social Sciences and the Humanities finden eine Reihe übergreifender Veranstaltungen statt, die im Laufe des Semesters ergänzt werden. Bitte melden Sie sich zu den Masterclasses jeweils einzeln an.

Sprache und Archiv
Foucault, Bourdieu, Butler – Kultur/Literaturtheorien im Vergleich: 12./13.09.2016

    Für Masterstudierende und Promovierende

Masterclass I: Sprache der Gewalt – Bourdieu, Butler und Foucault im Vergleich (12.09.2016: 14–18 Uhr)

ReferentInnen: Dr. Hilmar Schäfer/Dr. Jenny Willner 

Die Sprache ist ein Instrument, mit der um die soziale Welt gekämpft wird. Das Sprechen kann dabei einer Handlung gleichkommen oder sich auf Handlungen beziehen, es kann soziale Folgen haben und ist als Teil des Symbolischen zugleich selbst Ausdruck des Sozialen, es ist durchdrungen von den sozialen Macht- und Herrschaftsverhältnissen. 

Dieses auf den ersten Blick verwirrende Geflecht der Bedingungen und Wirkungen des Sprechens soll in der Masterclass näher untersucht und diskutiert werden. Konsultiert werden hierfür die entsprechenden Theorien von Pierre Bourdieu, Judith Butler und Michel Foucault. Insbesondere soll der Stellenwert der Sprache bei gesellschaftlichen Veränderungen in den Fokus gerückt werden. Welche Rolle spielt die Sprache bei der Bewahrung oder der Verbesserung sozialer Positionen, z.B. bei der  Emanzipation von diskriminierten, marginalisierten Gruppen? Und welchen Einfluss haben die sprachkünstlerischen, also literarischen, Äußerungen in diesem Zusammenhang? Können sie bestehende soziale Verhältnisse und Zuschreibungen unterlaufen und umschreiben?    

Als Referent/innen konnten für die Masterclass Dr. Hilmar Schäfer, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vergleichende Kultursoziologie der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, sowie Dr. Jenny Willner, Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München, gewonnen werden. Willners Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. die Komplexe: Literatur und Wissen um 1900, Theorien sprachlicher Gewalt, Exilperspektiven auf die deutsche Sprache, die Gendertheorie wie die Psychoanalyse. Hilmar Schäfers Forschungsvorhaben adressieren u.a. die (post-)strukturalistische Soziologie, die Soziologie der Kunst, die Praxistheorien wie die Theorie der Performativität. 

Masterclass II: Re-Lektüre des New Historicism als Methode kontextorientierter Kulturwissenschaft (13.09.2016: 14–18 Uhr)

Referenten: Prof. Dr. Moritz Baßler (Münster)/Prof. Dr. Martin Butler (Oldenburg)

Wieso sieht Hamlet eigentlich ein Gespenst? Wie bedingen sich Comics und gesellschaftlicher Diskurs? Wie helfen mir Tagebücher von Privatleuten Goethes Werther im Diskurs über Suizid zu verorten? Warum könnten meine Kassenbelege zukünftige Historiker interessieren? Und was hat Google damit zu tun?

Die disparat erscheinenden Fragen umtreiben seit den 1980ern all die, die versuchen Kultur historisch zu kontextualisieren und stehen im Zentrum des New Historicism, einer Methode, die auch heute für Seminar und Abschlussarbeiten fruchtbar gemacht werden kann.

In den 1980ern wurde, eingeleitet unter anderem durch Stephen Greenblatt, das literaturwissenschaftliche Arbeiten kulturbezogen neu ausgerichtet. Kontextorientierte Analysen von Literatur gingen einher mit einer Neukonzeptionierung des wissenschaftlichen Zugangs zu historischen Kontexten als kulturelles Archiv. Dieser Wandel, weg von rein werkbasierten Analysen, die die Bedeutung eines Textes allein im Werk selbst auszumachen suchten, hin zum Verständnis von Kultur als eingebunden in und einflussnehmend auf produktive Machtkonstellationen, verlief nicht ohne Kontroversen. Auch wenn diese ursprüngliche Debatte an Brisanz verloren hat, taucht sie immer wieder auf[1] und findet fragmentarisch als methodisches Problem weiterhin Ausdruck. Die Menge an zur Wahl stehenden literatur- und kulturwissenschaftlichen Methoden zu Erschließung von Kontexten und Einbettung kultureller Ausdrucksformen in eben solche ist Hinweis darauf welch zentrales Problem der New Historicism aufgeworfen hat.

Neben praktischen Fragestellungen für wissenschaftliches Arbeiten, bietet die Methode auch zukunftsweisende Instrumentarien. Besonders das kulturelle Archiv – zentraler Ort von kulturwissenschaftlichen Kontextualisierungsversuchen – gewinnt durch computergestützte Digitalisierung und groß angelegte elektronische Aufbereitung neue Bedeutung. Der Workshop möchte den New Historicism vor diesem Hintergrund einer Re-Lektüre unterziehen. Es soll nach Potentialen, Anschlussmöglichkeiten und Grenzen gefragt werden und dabei die historische Entwicklung des New Historicism als wissenschaftlicher Methode kontextorientierten Arbeitens mitgedacht werden.

Studierende sollen inhaltlich an Methoden, Theorien und Forschungsfragen herangeführt werden, mit denen sie innerhalb einer Dissertation konfrontiert werden aber auch innerhalb einer Masterarbeit bereits erörtern können.

Des Weiteren ist der Workshop über die Behandlung einer diskursanalystisch informierten Methode mit dem ersten Teil dieser Reihe „Diskurs im Feld“ verknüpft und wird Fragen und Probleme aus dem vorherigen Workshop aufgreifen und vertiefen. Damit wird das Thema zugleich in einen größeren Theorie- und Methodenhorizont eingebettet. Dahingehend ist der Workshop auch an den Workshop “Sprache der Gewalt – Bourdieu und Butler im Vergleich“gekoppelt, der ebenfalls für MA Studierende geöffnet ist.


[1] Cf. e.g. Special issue on „Context?“ in New Literary History (Autumn 2011), or “Theoretical Approaches to the Early Modern: Beyond New Historicism?” in Poetics Today (Winter 2014). 

Anmeldung Masterclass

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