Allgemeine BWL, Unternehmensführung und Betriebliche Umweltpolitik

Irene Antoni-Komar: Multiple Modernities – Konzeption einer kulturalistischen Ökonomik

Die Theorie der sozialen Praktiken liefert ein angemessenes Vokabular für die Konzeption einer kulturalistischen Ökonomik, die unter Berücksichtigung des kulturellen Kontextes zu einer erweiterten Analyse wirtschaftlichen Handelns beitragen kann. Die Integration des kulturellen Kontextes in die ökonomische Theorie über eine Präzisierung von Kultur als kulturellen Prozessen (multiple modernities) der Technisierung, Beschleunigung, Verwissenschaftlichung, Subjektivierung und Medialisierung, die parallel existieren, sich sowohl gegenseitig verstärken und stabilisieren als auch dynamisch verlaufen, vermittelt nicht nur zwischen der akteursbezogenen subjektiven Handlungsfähigkeit (agency) und den praktisch werdenden kulturellen Prozessen in übersubjektiven Wissensordnungen (background knowledge), sondern liefert auch den notwendigen Rahmen für eine kritische Analyse wirtschaftlichen Handelns als interdependentes (re)produzierendes Verfahren von gesellschaftlichen Normalisierungsprozessen.

Um die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften angemessen nachhaltig zu gestalten, ist es für ökonomische Akteure der Angebots- wie Nachfrageseite von hoher Relevanz, diese gesellschaftliche Interdependenz in ihrer Konflikthaftigkeit zu reflektieren, um vor dem Hintergrund der kulturellen Rekursivität sozialer Praktiken ihr Handeln kreativ neu auszurichten.