Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht sowie Rechtsinformatik

Rechtsfragen Virtueller Welten
gefördert von der Stiftung BWB

 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Taeger begann in Kooperation mit Rechtsanwalt Dr. Oliver M. Habel (teclegal Habel, München), Prof. Dr. Benedikt Buchner (Universität Bremen) und Prof. Dr. Jens M. Schubert (Universität Oldenburg) sowie der Deutschen Stiftung für Recht und Informatik im Oktober 2008 das Forschungsprojekt „Virtuelle Welten“. Dieses beschäftigt sich mit den rechtlichen Fragestellungen, die in sogenannten MMOSG (Massively Multiplayer Online Social Games) wie z.B. Second Life auftreten. Das Forschungsprojekt wird von der Stiftung Bremer Wertpapier Börse gefördert und ist auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt.

Die ersten Massively Multiplayer Online Games (MMOGs) entstanden Ende der 80er, Anfang der 90er des letzten Jahrhunderts. Waren sie zunächst hauptsächlich auf das gemeinsame Lösen einer Aufgabe (Quest) innerhalb einer (Fantasy-) Spielewelt (MMORPGs) ausgelegt, haben sich mit der Zeit viele verschiedene Genres herausgebildet. Eines dieser Genres sind die sogenannten Massively Multiplayer Online Social Games (MMOSGs). Zu den bekanntesten zählt die virtuelle Welt „Second Life“ der Linden Research, Inc. (Linden Lab), welche besonders in den letzten zwei Jahren breitere öffentliche Aufmerksamkeit erlangt hat.

Erklärtes Ziel von Linden Lab ist es, ein Metaversum, inspiriert von dem Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson - zu schaffen. Zu diesem Zweck werden den Nutzern („Residents“) von Second Life Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, durch die sie sich innerhalb der Welt von Second Life ein zweites – virtuelles – Leben aufbauen können. Innerhalb der Welt von Second Life werden mit Hilfe der Avatare der Residents Kaufgeschäfte über reale und virtuelle Güter getätigt, virtuelle Grundstücke können erworben werden, es gibt sogar eine eigene Börse (LindeX)mit einem relativ stabilen Wechselkurs zwischen US-Dollar und der „Währung“ von Second Life Linden-Dollar (L$). Daneben können die Residents von Second Life verschiedenen Beschäftigungen nachgehen – virtuelle Arbeitsverhältnisse sind genauso möglich wie die Teilnahme an Freizeitaktivitäten aller Art. Unternehmen haben virtuelle Geschäftsstellen, Universitäten virtuelle Präsenzen, Länder Botschaften und Religionsgemeinschaften Orte für Zusammenkünfte in Second Life geschaffen.

In diesem Zusammenhang ergeben sich vollkommen neue Themen in der Volkswirtschaftlehre, in der Betriebswirtschaftslehre und auch in der Rechtswissenschaft. So stellen sich beispielsweise folgende Fragen:

  • Welche Rechtsfragen ergeben sich aus der Einführung einer virtuellen Währung und
  • welchen Einfluss hat die virtuelle Währung auf die Geldmenge?
  • Sind Gewinne von Unternehmen innerhalb der Virtuellen Welten zu bilanzieren und wie werden diese nach HGB oder IFRS bilanziert?
  • Welche Steuervorschriften sind anwendbar?
  • Welche Vertragsverhältnisse entstehen in den Virtuellen Welten und zwischen Nutzern und dem Anbieter?
  • Welches Recht ist anwendbar?
  • Welchen Einfluss hat das EG-Recht auf die Rechtsbeziehungen in den Virtuellen Welten?
  • Wie können gewerbliche Schutzrechte in den Virtuellen Welten gesichert werden?
  • Sind in den Virtuellen Welten Datenschutz und Jugendschutz gewährleistet?
  • Ist der Schutz des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts gewahrt?
  • Haften die Betreiber Virtueller Welten als Störer bei der Verletzung von Rechten Dritter?
  • Welche Straftaten werden in den Virtuellen Welten begangen und wie können diese verfolgt werden?

Keine dieser Rechtsfragen ist bisher ausführlich behandelt worden. Nur zu einigen Teilaspekten hat es bisher wissenschaftliche Beiträge gegeben.

Im Zuge des Projekts sollen zunächst mögliche Rechtsfragen identifiziert und Lösungsmöglichkeiten der Rechtsprobleme erarbeitet werden. Die Ergebnisse des Projekts sollen im Spätsommer 2010 veröffentlicht werden.
Am Freitag, den 13. November 2009 wird eine Konferenz zum Thema stattfinden, bei der durch Initialreferate und Diskussionen die Themen erschlossen werden sollen. Die Konferenzergebnisse werden in einem Tagungsband zusammengefasst werden. Eine Programmübersicht zur Konferenz kann hier abgerufen werden. Um Anmeldung unter der angegebenen Adresse wird gebeten.

Projektleiter: Prof. Dr. Jürgen Taeger

Kooperation:

RA Dr. Oliver M. HabelBild
(teclegal Habel Rechtsanwälte, München)
Prof. Dr. Benedikt BuchnerBild­
(Universität Bremen)
Prof. Dr. Jens M. SchubertBild­
(Universität Lüneburg)
Deutsche Stiftung für Recht und Informatik

Mitarbeiterin

Sabrina Erkeling, LL.M.

Laufzeit:

vom 1.10.2008 bis 30.9.2010