Präsidium der Universität

Newsletter des Präsidiums Juni 2011

Zweite Nationale Bologna-Konferenz


Auf Einladung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan und des Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Bernd Althusmann, trafen sich am 6. Mai 2011 in Berlin Vertreter von Ländern, Hochschulen, Studierenden, der Wirtschaft und weiterer Akteure im Hochschulbereich, um über aktuelle Herausforderungen bei der Umsetzung der Hochschulreformen zu diskutieren. Nachdem die erste Nationale Bologna-Konferenz im Mai 2010 wichtige Impulse für Verbesserungen, insbesondere der Qualität der Lehre an den Hochschulen gegeben hatte, standen diesmal der Übergang vom Bachelor in den Beruf und das Masterstudium sowie das Thema Mobilität und Internationalität des Studiums im Mittelpunkt.

„Wir sind uns einig, dass der Bologna-Prozess große Chancen für Studierende und Hochschulen bringt“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan. „Wie die aktuellen Studien zeigen: Die Abschlüsse Bachelor und Master kommen immer mehr im Alltag an. Bachelor-Absolventen haben auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen“, betonte die Ministerin. Die Sorge, dass es nicht genügend Masterstudienplätze gibt, sei unbegründet: „Die Zahlen, die die Länder auf der Konferenz vorgelegt haben, deuten vielmehr darauf hin, dass bundesweit kein Mangel an Masterplätzen besteht, wenn die Studierenden flexibel sind. Und was die Zukunft betrifft: Bund und Länder tragen mit dem Hochschulpakt schon jetzt dazu bei, dass die Zahl der Studienplätze insgesamt zunimmt“, so Schavan. „Die Entwicklung im Masterbereich werden wir allerdings in den kommenden Semestern weiter verfolgen. Wir müssen darauf achten, dass die neuen Studienplätze, die wir mit dem Hochschulpakt finanzieren, auch in ausreichendem Maße im Masterbereich entstehen.“

Zum Thema Mobilität sagte Schavan: „Der Wechsel ins Ausland ist durch die Bologna-Reform einfacher geworden. Da muss es erst recht möglich sein, von einem Bundesland in ein anderes umzuziehen.“ Die Mobilität von Studierenden zu fördern, ihnen damit Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu geben und sie auf einen internationalen Arbeitsmarkt vorzubereiten, sei eines der Kernanliegen des Bologna-Prozesses. „Die Zahlen belegen, dass die Mobilität in den gut zehn Jahren des Bologna-Prozesses deutlich zugenommen hat. Hochschulen und Studierenden müssen in der gestuften Studienstruktur auch neue Wege gehen. Wir unterstützen sie darin mit Bologna-Mobilitätsprogrammen.“

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Margret Wintermantel unterstrich den Fortschritt bei der Studienreform: „An den Hochschulen findet eine grundlegende Neugestaltung des Studienangebots statt, bei dem die Studierenden im Zentrum stehen und aktiver als bisher ihren Lernprozess mitgestalten.“ Mit Blick auf die Entwicklung im Master-Bereich erklärte die HRK-Präsidentin: „Alle Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen sollen die Chance auf einen Studienplatz in einem Master-Programm bekommen. Hier ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Hochschulen ermöglichen, ausreichend Studienplätze anzubieten.“ Festgelegte Übergangsquoten seien keine Lösung: „Wir brauchen ein Angebot, welches sich an den Eignungen und Neigungen der Studierenden und den Entwicklungen am Arbeitsmarkt orientiert.“

Kritisch äußerte sich dagegen im Vorfeld der Konferenz der Deutsche Hochschulverband (DHV). Dessen Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen sagte, trotz Nachbesserungen sei die Reform noch lange keine Erfolgsgeschichte. Die neuen Studiengänge blieben den Beweis ihrer Überlegenheit gegenüber den traditionellen Studienabschlüssen von Diplom und Magister bislang schuldig. Dies gelte für die Abbrecherzahlen ebenso wie die Studierendenmobilität. Kempen: „Der DHV erwartet von der Bologna-Konferenz konkrete Zusagen über zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen für mehr Master-Studienplätze, damit – wie in der Schweiz – grundsätzlich jeder Bachelorstudierende den Master machen kann, wenn er will“.

Auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Bachelorabsolventen sieht der DHV kritisch. Wirtschaftsvertreter könnten noch so oft und laut den Bachelor willkommen heißen, in der betrieblichen Praxis stießen diese Bekundungen auf wenig Widerhall. „Wenn laut aktueller Stifterverband-Studie gerade einmal jeder vierte Universitätsabsolvent mit Bachelor direkt in den Beruf geht, ist das für einen qua Gesetz berufsqualifizierenden Abschluss ein Armutszeugnis“, so Kempen. Der DHV-Präsident verwies auf eine Umfrage der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, nach der in den Unternehmen an Physik-Absolventen mit Bachelorabschluss kein Interesse und Bedarf bestehe. „Es ist angesichts derartiger Erfahrungen zu begrüßen, dass sich die Justizminister und der Bundesgesundheitsminister für den Erhalt der Staatsexamina und damit gegen die Umstellung auf die gestufte Studienstruktur in Jura bzw. Medizin aussprechen.“

  • Quelle: 1. Pressemitteilung BMBF, 6.5.2011: www.bmbf.de
    2. Pressemitteilung Deutscher Hochschulverband, 4.5.2011: www.hochschulverband.de
  • Die aktuelle Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, der HIS GmbH und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln über Berufsperspektiven der Absolventinnen und Absolventen von Bachelor-Studiengängen ist zu finden unter:
    www.bmbf.de/pdf