Intellektuelle im Exil - Frankfurter Schule und Marburger Hermeneutik

In „Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933“ berichtet Karl Löwith von seiner Exilierung. Wie er waren auch Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin und andere Geisteswissenschaftler gezwungen, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Deutschland zu verlassen. Das Ausland bedeutete aber nicht nur Elend, sondern mit der Zeit eröffnete es den jungen Intellektuellen auch unverhoffte Wirkungsfelder. Die Vertreter der Marburger Hermeneutik und der Frankfurter Schule wurden vor allem in den USA als wichtige Stimmendes kontinentalen Denkens angesehen. Und die Erfahrungen im „Jahrhundert der Extreme“ hinterließen tiefe Spuren in ihren Werken. Die Ringvorlesung stellt zehn Intellektuelle der beiden Zirkel mit ihren Exil-Biographien vor. In der Folge der Vorträge wird es immer wieder möglich sein, vergleichend zu fragen, wie sich die Jahre der Emigration auf die verschiedenen Denkansätze auswirkten. Die Einführung eröffnet die Fragestellung mit Erläuterungen zur Konstellationsforschung, die Dieter Henrich im Blick auf die deutsche Philosophie um 1800 einführte. Zum Abschluss ziehen wir eine Bilanz, die drei zentrale Repräsentanten der beiden Denkschulen genauerin den Blick nimmt.Die Ringvorlesung steht in Verbindung mit Forschungsschwerpunkten des Instituts für Philosophie: dem Hannah Arendt-Zentrum, der Adorno-Forschungsstelle und dem Erich Auerbach-Archiv. Zwei der auswärtigen Referenten haben in jüngster Zeit intellektuelle Biographien vorgelegt: Jörg Später schrieb über Siegfried Kracauer (Suhrkamp 2016), während Lorenz Jäger eine Biographie Walter Benjamins (Rowohlt 2017) verfasste.

Die Ringvorlesung findet ab dem 23. Oktober montags 10-12 Uhr im BIS-Saal statt. Allein am 06. November wird sie im Karl Jaspers-Haus, Unter den Eichen 22, abgehalten.

 

23. Oktober 2017

Prof. Dr. Matthias Bormuth (Oldenburg)
Was lehrt uns das Exil? Marburger Hermeneutik und Frankfurter Schule im Vergleich


30. Oktober 2017

Prof. Dr. Martin Vialon (Oldenburg)
Erich Auerbach als Kulturphilosoph zwischen Hermeneutik und Kritischer Theorie


06. November 2017

Prof. Dr. Tilmann Allert (Frankfurt)
Ideen, Motive und Konstellationen – Helmuth Plessner als Emigrant


13. November 2017

Dr. Nils Baratella (Oldenburg)
We Refugees – Flucht und Exil im Werk von Hannah Arendt


20. November 2017

Dr. Jörg Später (Freiburg)
Siegfried Kracauer und die Erfahrung der Emigration


27. November 2017

Prof. Dr. Reinhard Schulz (Oldenburg)
Die Aktualität von Hans Jonas‘ Verantwortungsbegriff im Lichte seiner Exilerfahrung

04. Dezember 2017

Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm (Oldenburg)
Erfahrungen in der Fremde. Theodor W. Adornos Exiljahre in England und den USA


11. Dezember2017

Dr. Lorenz Jäger (Frankfurt)
Walter Benjamin – Das Leben eines Unvollendeten


08. Januar 2018

Prof. Dr. Hermann Haarmann (Berlin)
„Ich bin hier geblieben, weil ich mir ein Leben in Deutschland nicht mehr vorstellen konnte.“
Herbert Marcuses amerikanische Jahre


15. Januar 2018

PD Dr. Thomas Meyer (München)
Von Marburg nach Annapolis. Leo Strauss‘ intellektuelle Biographie


22. Januar 2018

Dr. Ulrich v. Bülow (Marbach)
Philosophie zwischen Sendai und New York. Karl Löwith und der Sinn der Geschichte


29. Januar2018

Prof. Dr. Matthias Bormuth (Oldenburg)
Eine Konstellation des Exils. Hannah Arendt – Walter Benjamin – Erich Auerbach

 

Hier finden Sie den Flyer zur Veranstaltung zum Download.