Carl von Ossietzky (1889 - 1938)
Kurzbiographie
Carl von Ossietzky ist am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren und wuchs dort unter ärmlichen Bedingungen auf. Er begann seine journalistische Karriere nebenberuflich, als er Hilfsschreiber bei der Justizverwaltung in Hamburg war. 1911 begann er für das republikanisch orientierte Wochenblatt Das freie Volk zu schreiben - mit antimilitaristischer Tendenz. Das Engagement trug ihm 1914 die erste strafrechtliche Verurteilung wegen Beleidigung der Kriegsgerichtsbarkeit ein. Nach dem ersten Weltkrieg, zu dem er 1916 eingezogen worden war wurde er 1919 in Berlin Sekretär der pazifistischen Deutschen Friedensgesellschaft und arbeitete als Journalist für die Berliner Volkszeitung, die Weltbühne und DasTage-Buch. 1927 wurde von Ossietzky, als Nachfolger von Siegfried Jacobsohn und Kurt Tucholsky, Leiter der Weltbühne. Die Iinksintellektuelle Wochenzeitschrift erreichte zwar nie hohe Auflagen (15.000), fand aber in politischen Kreisen der Weimarer Republik große Beachtung, weil sie als unabhängiges Blatt mit radikaler Kritik gegen Restaurierungstendenzen zu Felde zog - an ihrer Spitze Carl von Ossietzky. Viele Intellektuelle benutzten sie als Forum - darunter Heinrich Mann, Egon Erwin Kisch, Erich Kästner, Erich Mühsam, Stefan und Arnold Zweig, Ernst Bloch. In der Nacht des Reichstagsbrandes am 27. Februar 1933 wurde der Republikaner, der die Flucht vor den Nationalsozialisten abgelehnt hatte, von der Gestapo verhaftet. Über drei Jahre verbrachte er in den Konzentrationslagern Sonnenburg und Esterwegen (Emsland). 1936 wurde er auf Weisung Hitlers freigelassen, als seine von zahlreichen Politikern, Künstlern und Intellektuellen betriebene Nominierung für den Friedensnobelpreis durch die deutsche Reichsregierung nicht mehr zu verhindern war. Im Dezember 1936 wurde ihm der Nobelpreis verliehen. Erholen konnte der Publizist sich von der über dreijährigen Haft allerdings nie. Am 4. Mai 1938 starb er in Berlin an den Folgen der im KZ Esterwegen erlittenen Folterungen. Er hinterließ seine aus England stammende Frau Maud, die 1974 in Berlin starb, und seine Tochter Rosalinde, die Ehrenbürgerin der Universität war, in Schweden lebte und dort im Jahr 2000 verstorben ist.