23.01.2018 – Forschung

Den Energiewandel besser verstehen

  • Die Soziologin Prof. Dr. Jannika Mattes leitet seit Anfang des Jahres eine Emmy Noether-Gruppe an der Universität. Foto: Universität Oldenburg

Soziale Prozesse des regionalen Energiewandels – damit beschäftigt sich seit Januar eine neue Nachwuchsforschungsgruppe unter Leitung der Oldenburger Soziologin Jannika Mattes. Möglich geworden ist dies durch die Aufnahme Mattes‘ in das renommierte Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die DFG fördert das Projekt über eine Laufzeit von fünf Jahren mit insgesamt mehr als 1,2 Millionen Euro.

„Die Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses liegt unserer Universität besonders am Herzen. Wir freuen uns sehr, dass die DFG eine weitere Emmy Noether-Gruppe an der Universität Oldenburg ermöglicht und sehen dies auch als Würdigung unseres bisherigen Engagements für junge Forscherinnen und Forscher“, erklärt Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper.

Durch die Aufnahme in das Emmy Noether-Programm kann Mattes am Institut für Sozialwissenschaften drei Mitarbeiter für die Nachwuchsforschungsgruppe einstellen. Ihr Thema: „Regionaler Energiewandel: Die sozialen Aushandlungs-, Normierungs- und Lernprozesse im Windenergiesektor“.

Das Team erarbeitet ein theoretisches Konzept, das den Energiewandel besser verstehen helfen soll. Außerdem analysieren die Wissenschaftler sechs Regionen in Deutschland, die ihre Aktivitäten  im Windenergiesektor ausbauen. Dieser Übergang – im Fachjargon Transition – ist nicht nur eine technologische Umstellung, sondern auch ein sozialer Prozess. Das Augenmerk der Forscher liegt besonders auf der Interaktion der beteiligten Akteure: „Wir schauen uns an, wie die Beteiligten die entscheidenden Prozesse miteinander aushandeln, welches Selbstverständnis sie dabei entwickeln und welche Lernprozesse sie durchlaufen“, erklärt Mattes. Die Soziologin berücksichtigt wissenschaftliche, industrielle, politische und administrative Akteure, aber auch die betroffenen Bürger – eben alle, die mit ihrem Verhalten Einfluss auf den Transitionsprozess nehmen.

Das Vorhaben setzt auf qualitative empirische Forschung: Die Wissenschaftler werden in jeder Region Experteninterviews führen. Sie erhoffen sich davon einen wissenschaftlichen, aber auch einen anwendungsorientieren Nutzen. Mattes: „Zunächst einmal ist das Ziel, die konzeptionelle Debatte in der Transitionsforschung empirisch zu unterfüttern. Außerdem wollen wir unsere Erkenntnisse den entscheidenden Gestaltern des Energiewandels zur Verfügung stellen und so einen praktischen Beitrag zu dessen Realisierung leisten.“ Beispielsweise könnten auf Basis ihrer Erkenntnisse politische Instrumente besser an die beteiligten Akteure und regionalen Spezifika angepasst werden.

Jannika Mattes ist seit 2011 Juniorprofessorin für die Soziologie europäischer Gesellschaften an der Universität Oldenburg. Sie studierte Europäische Wirtschaft an der Universität Bamberg und kam 2007 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Universität Oldenburg. Hier promovierte sie 2010. Im Oktober 2017 erhielt Jannika Mattes den „Preis für exzellente Forschung“ der Universitätsgesellschaft Oldenburg (UGO).

Über das Emmy Noether-Programm:
Das Emmy Noether-Programm der DFG will herausragenden Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbständigkeit eröffnen. Promovierte Forscher mit substanzieller internationaler Erfahrung erwerben durch eine in der Regel fünfjährige Förderung die Befähigung zum Hochschullehrer durch die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe. Namensgeberin ist die deutsche Mathematikerin Emmy Noether, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter anderem die abstrakte Algebra entscheidend vorangebracht hat.


 

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Kontakt

Prof. Dr. Jannika Mattes
Institut für Sozialwissenschaften
Tel: 0441-798/4552
jannika.mattes@uol.de