Aktuelles

Objekt des Monats: April 2017

Steckbrief

  • Inventarnr.: 496
  • Objektbezeichnung: Nyltestoberhemd
  • In der Sammlung seit: 21.05.2001
  • Datierung: 1960er Jahre

Warum bügeln? Es gibt doch Nyltest!

„So sehen wir den Kaugummi kauenden Ami und den Italiener im rot-weißen Streifenhemd, der den Frauen den Kopf verdreht, während der hässliche Deutsche allenfalls mit Isetta und Nyltest-Hemd punktet“ - so frotzelt Hans von Seggern im Tagesspiegel. Das mit den Klischees zu den Herren der 1950er Jahre lassen wir hier mal dahingestellt und wenden uns dem Material zu.

In Nyltest steckt nicht nur begrifflich das noch heute bekannte Nylon drin. Die Faser, die einige mit Damenstrümpfen assoziieren, war in den 1950er und 1960er Jahren Bestandteil von Hemden, Blusen, Kittelschürzen und weiterer Alltagskleidung.

Warum war die Nyltest-Ware ab Mitte der 1950er Jahre so beliebt?

In den 1950er und 1960er Jahren besaß nicht jeder Haushalt eine Waschmaschine. Der Schmutz musste noch per Hand von der Wäsche entfernt werden. Das war eine ziemlich anstrengende Angelegenheit. Außerdem mussten die Kleiderstücke auch noch gebügelt werden, was im Haushalt viel Zeit und Nerven kostete.

Dann kam das Nyltest-Hemd, das laut Etikett folgendes versprach:

„Getestet und kontrolliert, garantiert bügelfrei, 60° Wäsche, Nyltest, Nylon 66, Optima“

„Nyltest“ versprach Komfort: Ein Hemd, das nach dem Waschen auf den Bügel gehängt werden konnte und am nächsten Tag knitterfrei angezogen werden konnte.

Für diese Erleichterung nahmen viele Träger_innen in Kauf, dass sie das Hemd oder die Bluse höchstens einen Tag tragen konnten. Der Schweißgeruch fing sich in diesen Kleidungsstücken sehr schnell.

Aber was sind schon persönliches Odeur und Tragekomfort gegen eine derartige Arbeitserleichterung?

Objekt des Monats: März 2017

Aus Alt mach Neu

Wann haben Sie das letzte Mal etwas selbst genäht statt im Internet zu bestellen?

Martha Eller, 1928 in Guntersblum am Rhein geboren, fertigte um 1948 im Alter von etwa 17 Jahren dieses Kleid. Sie war in dieser Zeit, kurz nach dem Krieg, nicht alleine damit. Es fehlte an allen Ecken, überall musste improvisiert werden. Nur wenn die Frauen es nicht selbst gelernt hatten, übernahmen Schneiderinnen die Arbeit. Martha Eller zum Beispiel lernte das Nähen von katholischen Schwestern, die im Nebengebäude der Kirche Nähunterricht gaben.

Für das Oberteil des Kleides benutzte sie eine ehemalige Anzugjacke, möglicherweise von ihrem Vater. Für das Rockteil kaufte sie einen karierten, flanellartigen Stoff. Diesen verwendete sie auch für Ärmeleinsätze am Oberteil. Die Ärmel sind generell recht eng geraten, denn der Stoff war knapp.

Das Kleid war insofern etwas Besonderes, als es nur zu besonderen Anlässen getragen wurde. Im Alltag wurde weniger „gute“ Kleidung getragen. Martha Eller trug es, anders als beispielsweise ihren alten Rock aus rotem Fahnenstoff, ausschließlich sonntags zum Spazieren gehen und zu Veranstaltungen wie „der Kerb“, der hessische Ausdruck für Jahrmarkt, oder auf dem Guntersblumer Markt und beim Singen in der Kirche (Gesangsverein).  

Nach einem ereignisreichen Tag wurden abends die Falten wieder von oben bis unten gereiht und gebügelt, damit am nächsten Sonntag wieder alles in Ordnung war. Das dauerte seine Zeit, denn der Stoff ist nicht für Falten geeignet.

Martha Eller war sehr stolz darauf, als sie von ihrer Verwandtschaft und ihren Freunden für ihr Werk gelobt wurde. Besonders die Begeisterung ihrer Schwester Louise für ihr Kleid freute sie sehr, da Louise die Gattin eines Herrenschneiders war und sich somit mit Qualität auskannte.  

Hätten Sie noch alte Kleidung im Schrank, die Sie zu einem Kleid umfunktionieren könnten? An die Nähmaschine, fertig, los!

Objekt des Monats: Februar 2017

Steckbrief

  • Inventarnr.: 1512 a+b
  • Objektbezeichnung: Satin-Schlafanzug (gemustert)
  • In der Sammlung seit: 07.08.2008
  • Datierung: ca. 1990

Das Leben des gemusterten Satin-Schlafanzugs

Es war einmal ein Schlafanzug, der schimmerte sehr schön, denn er bestand aus Satin. Das Muster des Schlafanzuges war grau, braun, weiß und schwarz und er hing in einem Second-Hand-Laden in Bochum. Wie er dort hingekommen war, das wusste er nicht mehr, aber er hatte verstanden, dass es eine Möglichkeit gab aus dem Laden herauszukommen: Gut aussehen, gut passen und sich vor allem gut anfühlen.  

Dann kam Charlotte mit ihrem ersten Freund vorbei. Ihr gefiel der Schlafanzug und sie gefiel dem Schlafanzug. Er hörte die magischen Worte „Ich möchte gerne einen Opa-Schlafanzug haben.“ Wusste Charlotte denn, wo er herkam? Zu ihr wollte er, sie schien ihn so gut zu kennen. Also gab er sich Mühe, indem er glänzte und seine Farben zum Leuchten brachte. Charlotte lächelte ihren Freund an und der kaufte den gemusterten Satin-Schlafanzug.

Es begann ein aufregendes Leben für den Schlafanzug. Fast jeden Tag trug Charlotte ihn. Sie wusch ihn, sie legte ihn in den Schrank, sie holte ihn raus, sie zog ihn an und ging schlafen. Er merkte, dass der Stoff rund um die Knopflöcher bereits zerfaserte. So oft machte Charlotte, die Knöpfe auf und zu. Aber das störte ihn nicht, denn es zeigte nur, dass sie ihn wirklich gerne mochte. Niemals wurde der Opa erwähnt und der Schlafanzug fand nicht heraus, woher er kam. Dafür freute er sich umso mehr, dass er Charlotte Freude bereitete. Sie trug ihn gern, was kümmerte ihn da die Vergangenheit. Doch dann geschah es. Charlotte fing an andere Schlafanzüge zu tragen. Die hatten keine langen Beine, die waren nicht aus Satin und nicht gemustert. Immer öfter lag er im Schrank. Immer seltener wurde er in die Hand genommen. Im Schrank schlief er ein und erinnerte sich an die letzten fünf Jahre.

Dann holte Charlotte ihn wieder raus. Er dachte bei sich, dass sie wohl zur Vernunft gekommen sei, schließlich wäre er der beste Schlafanzug, den man sich wünschen könne. Sie nahm ihn, lächelte und packte ihn in ihre Tasche. Das nächste, was er sah, waren kahle Räume. Charlotte redete mit jemandem, erzählte von ihrer Zeit mit dem Schlafanzug und dann – ging sie. Würde Charlotte zurückkommen? Am Anfang konnte der Schlafanzug es nicht fassen. Charlotte hatte ihn verlassen. Der Schlafanzug wurde genommen und betrachtet. Er schaute sich seinen neuen Besitzer an, aber der schien ihn gar nicht anziehen zu wollen. Er wurde genau untersucht, vermessen, fotografiert und mit einer Nummer versehen. Nun hängt er zwischen anderen Schlafanzügen und wird ab und zu hervorgeholt und erneut betrachtet. Dann erzählt der Schlafanzug seine Geschichte, von seiner Geburt, vom Opa und Charlotte und wie es ihm bisher erging. Ab und zu, wenn es ganz ruhig ist, träumt er und wünscht sich, dass es Charlotte gut geht.

Umbau der Sammlungsräume

Im Institut wird umgebaut und auch die Sammlungsräume sind betroffen. Anfang August wird „Kleid und Geschichte“ zur Hälfte ausgeräumt und zwischengelagert. Nach den Arbeiten heißt es dann „zurück Marsch Marsch“ und alle Objekte kommen wieder an ihren eigentlichen Ort.

Wenn die eine Baustelle abgeschlossen ist, folgt direkt die nächste: das Schriftenarchiv. In beiden Räumen wird an der Decke gearbeitet. Zum Vorlesungsbeginn ist dann alles wieder hübsch und neu und die Beleuchtung wird sich deutlich verbessert haben.

Während die Handwerker in den Räumen sind, sind diese nicht zugänglich. Sollten Sie uns erreichen wollen, so melden Sie sich bitte zunächst telefonisch oder per Mail.

Ins Netz gegangen!

Endlich ist es soweit. Hier präsentiert sich die Sammlung des Instituts das erste Mal im Netz.

Wir freuen uns, weil die Objekte nach langer Zeit wieder stärker genutzt werden. Nicht nur online, sondern auch in der echten Welt. Denn um die geht es uns hauptsächlich: Wie fühlt sich ein Stoff an? Wie reicht ein Kleid nach 30 Jahren im Schrank? Wer hat diese Spitzendecke hergestellt und warum?

Aber neben der Erforschung der Objekte in Seminaren oder Abschlussarbeiten, steht auch viel Arbeit im Hintergrund an: Eine Re-Inventarisierung der Sammlung, angefangen mit der Abteilung "Kleid und Geschichte", eine neue Ordnung, die auch konservatorische Aspekte berücksichtigt und vieles mehr.

Auf dieser Seite können Sie immer erfahren, was gerade mit den über 7.000 Objekten geschieht.

Neue E-Mail Adresse!

Wir haben eine neue E-Mail-Adresse! Ab sofort können Sie die Kustodie direkt unter Sammlung-materiellekultur@uni-oldenburg erreichen.

Foto von Dias aus einer Dokumentation zum Bekleidungsverhalten.
 

Öffnungszeiten und Kontakt:

Bekleidungsarchiv:
Raum A02 3-328
Mi. 11:00 - 11:30 Uhr
Do. 10:00 - 11:00 Uhr

Textilobjektearchiv:
Raum A02 3-327
Mi. 11:00 - 11:30 Uhr

Stoffarchiv:
Raum A02 3-322
Mi. 11:00 - 11:30 Uhr

Schriftenarchiv:
Raum A02 3-320
Mi. 10:00 - 12:00 Uhr
Do. 12:30 - 15:30 Uhr

Bei Fragen hilft die Kustodie des Instituts gerne weiter:

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Fakultät III - Sprach- und Kulturwissenschaften
Institut für Materielle Kultur
Ammerländer Heerstr. 114-118
26129 Oldenburg

0441-798-2167
Sammlung-materiellekultur(at)uni-oldenburg.de