Ziele des Studienprogramms

In dem an der Universität Oldenburg im WiSe 2008/2009 eingerichteten Programm Informatik für Migranten werden ausländischen Studierenden im Gebiet der Informatik fehlende Kenntnisse vermittelt, um ihnen so einen in Deutschland anerkannten und berufsfähigen Abschluss zu ermöglichen. Ziel des Studienprogramms „Informatik für Migrantinnen und Migranten“ ist es, ein Angebot zu schaffen, das es (deutschlandweit) erlaubt hochqualifizierten Migrantinnen und Migranten ihre bisherigen Abschlüsse in entsprechende Leistungen eines Studienganges BSc/MSc Informatik einzubringen und in individueller Abstimmung gezielt einzelne Module „nachzustudieren“, die dann zu einem anerkannten Abschluss in Informatik führen. Ziel ist es, die Migrantinnen und Migranten so in das Bachelor- bzw. Masterstudium zu integrieren, dass fehlende Kenntnisse ergänzt bzw. evtl. veraltete Kenntnisse aufgefrischt und auf den aktuellen Stand gebracht werden. Besonderheit des Studienangebotes ist also nicht etwa ein speziell auf die Anforderungen von gut ausgebildeten Migrantinnen und Migranten gerichtetes Profil, sondern die individuell zugeschnittene Studienplanung und -begleitung. So können die Migrantinnen und Migranten ihre bisherige Ausbildung gezielt verwenden und ihr Potenzial zielgerichtet ausschöpfen. Sie werden dabei durch intensive Betreuung und individuelle Beratung und Studienplanung unterstützt.

Das Studienprogramm berücksichtigt diese besondere Situation der Migrantinnen und Migranten. Die Migrantinnen und Migranten haben oft zwar ein sehr gutes fachliches Fundament im Bereich der theoretischen, formalen und mathematischen Methoden, es fehlen jedoch aktuelle, praxisorientierte Themen der Informatik wie Programmiersprachen oder modernes Software-Engineering, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt trotz des derzeit herrschenden Fachkräftemangels die passende Qualifikation aufweisen zu können. Bisher liegen zwar kaum gesicherte Erkenntnisse darüber vor, welche Qualifikationsprofile höher qualifizierte Migrantinnen und Migranten in Deutschland aufweisen und in welchem Maße ihre mitgebrachten Qualifikationen anerkannt werden. Dennoch zeigen Studien, dass Verfahren zur Anerkennung mitgebrachter Abschlüsse und ressourcenorientierte Qualifizierungsmaßnahmen zu einer verbesserten beruflichen und sozialen Integration führen . Der an der Universität Oldenburg eingerichtete Weiterbildungsstudiengang  „Interkulturelle Bildung und Beratung“ mit dem Abschluss BA zeigt , dass die besondere Motivation der Absolventen darin besteht, dass sie  einen „normalen“, in ganz Europa anerkannten und berufsfähigen Abschluss erhalten. Viele Migrantinnen und Migranten haben zuvor bereits Zertifikate im Inland und Ausland  abgelegt aber bisher keinen formalen oder anerkannten Abschluss erworben.

Die Teilnehmenden an dem Studienprogramm absolvieren das Studium in einem der Studiengänge der Informatik (Bsc bzw. MSc). Absolventinnen und Absolventen dieser Studiengänge besitzen ein klares Verständnis von Grundlagen der Informatik und ihren Anwendungen. Sie sind in der Lage, Methoden, Vorgehensmodelle, Werkzeuge und Systeme zur Lösung praxisrelevanter Probleme anzuwenden. Sie besitzen vertiefte Kenntnisse über die Implementierung und Validierung komplexer informatischer Systeme zur Information, Kommunikation und Steuerung und können diese in verschiedenen Anwendungsbereichen einsetzen bzw. deren Einsatz leiten. Sie sind geschult, Algorithmen zu realisieren und bezüglich ihrer Eigenschaften einzuschätzen. Sie können im Team komplexe Softwaresysteme entwickeln und sie kennen die Anforderungen beim Arbeiten in Gruppen. Darüber hinaus besitzen sie vertiefte Kenntnisse in mindestens einem Anwendungsgebiet der Informatik bzw. in einem interdisziplinären Schwerpunkt sowie die Fähigkeit zu verantwortlichem und verantwortungsbewusstem Handeln im Beruf. Absolventinnen des Master-Studienganges Informatik besitzen neben einem klaren Verständnis der Grundlagen der Informatik und ihrer Anwendungen insbesondere einen Einblick in Methoden, Probleme und Ergebnisse aus neuester Forschung in der Informatik.