Komplexe Informations- und Softwaresysteme (KISS)

Absolventinnen und Absolventen der Vertiefung „Komplexe Informations- und Softwaresysteme (KISS)“ können sowohl mit profunden Kenntnissen in den Gebieten Softwaretechnik, Datenbank- und Internet-Technik als auch mit praktischen Fähigkeiten zur Bewertung und Anwendung dieser Techniken aufwarten. Die Vertiefungsrichtung bündelt die hier notwendigen Lehrinhalte, koordiniert zielgerichtet die vertiefende Behandlung von Themenbereichen wie Anforderungsmanagement, Modellierung, verteilte und komponentenbasierte Software-Architekturen, Large Scale und Non Standard Data Management, Compilerbau, Data Warehousing und Knowledge Discovery in Databases, multimediale und mobile Systeme, Vertrauenswürdige Software-Systeme und Software-Evolution in entsprechenden Modulen und bietet die Möglichkeit die Vertiefungsrichtung individuell auszugestalten.

Ziel der Vertiefungsrichtung „KISS“ ist die Vermittlung von Kompetenzen bezüglich Techniken und Methoden für den Entwurf, die Realisierung, den Betrieb und die Evolution innovativer, datenzentrierter Software- und Informationssysteme und der dazu notwendigen Softwarekomponenten und Infrastrukturen in Theorie und Praxis. Die Vertiefungsrichtung zielt auf software- und informationstechnische Kompetenzen für die konkrete und dauerhafte Bereitstellung von komplexen Anwendungssystemen, interdisziplinär unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Anforderungen und rechtlicher Konsequenzen. Damit sollen Studierende der Vertiefungsrichtung in die Lage versetzt werden, als Softwaretechniker an der nachhaltigen Realisierung komplexer Informationssysteme inhaltlich gestaltend und verantwortlich mitzuarbeiten oder im Rahmen einer weiteren wissenschaftlichen Qualifizierung in diesem Themengebiet Methoden, Verfahren und Werkzeuge weiterzuentwickeln.

Studienanforderungen

Zur Zertifizierung der Vertiefungsrichtung müssen je ein Modul aus den Akzenten „Akzent 1: Frühe Phasen der Softwaretechnik“, „Akzent 2: Informationssysteme“ und „Akzent 3: Fortgeschrittene Methoden und Techniken“ erfolgreich abgeschlossen werden. Hierdurch erhalten die Studierenden einerseits einen umfassenden Einblick in die wesentlichen Grundlagen zur ingenieurmäßigen Konzeption, Entwicklung und Weiterentwicklung von großen und datenzentrierten Softwaresystemen. Anderseits erlaubt die Zuordnung der Module insbesondere zu Akzent 3: „Fortgeschrittene Methoden und Techniken“ auch eine individuelle Schwerpunktsetzung der Studierenden auf Fragestellungen der Softwaretechnik oder der Informationssysteme.

Ergänzend ist in Akzent 4: „Anwendungen und Vertiefungen“ ein Modul zur konkreten Anwendung informations- und softwaretechnischer Methoden in speziellen Anwendungskontexten erfolgreich zu belegen. Hierdurch wird den Studierenden eine Möglichkeit geboten, Methodenwissen auch gezielt im Anwendungskontext einzusetzen. Zur vertieften Beschäftigung mit ausgewählten, speziellen Techniken zur Entwicklung großer, datenzentrierter Softwaresysteme sind im „Akzent 5: Seminar“ zwei Seminare zu belegen.

Hinweis: In den folgenden Listen sind Module, die entweder noch nicht existieren oder wo deren Anwendbarkeit nicht klar ist, in kursiv gesetzt.

Akzent 1 „Frühe Phasen der Softwaretechnik“ (6 KP) vermittelt Kenntnisse, Fähigkeiten und Techniken, Anforderungen an Softwaresysteme zu ermitteln und zu bewerten. Dieses umfasst sowohl die Betrachtung fachlicher, technischer und qualitativer Anforderungen sowie die Beschäftigung mit der Planung und Koordination von Softwareprojekten. Es kann aus folgenden Modulen gewählt werden:

  • Requirements Engineering und Management (inf108)
  • Ein beliebiges Master-Akzentzetzungsmodul, wenn Projektmanagement (PB 87) als NI-Modul gewählt wird.

Akzent 2: „Informationssysteme“ (6KP) vermittelt Kenntnisse Fähigkeiten und Techniken zur Verwaltung, Bereitstellung und Auswertung umfangreicher strukturierter und unstrukturierter Datensammlungen. Akzent 2 umfasst die folgenden Module:

  • Informationsmanagement in verteilten Systemen (Informationssysteme III) (inf109)

Akzent 3: „Fortgeschrittene Methoden und Techniken“ (6KP) vermittelt Kenntnisse, Fähigkeiten und Techniken, Software- und Informationssysteme sowie deren Komponenten zu strukturieren, zu spezifizieren, zu realisieren, zu analysieren und anzuwenden. Folgende Module sind im Akzent 3 enthalten:

  • Kombination von Spezifikationstechniken (inf453)
  • Fortgeschrittenen Praktikum Datenbanken (inf111)
  • Computational Intelligence (inf535)
  • Modellbasierter Systementwurf (inf312)
  • Technologien des Wissensmanagement im Internet (inf 539)
  • Ausgewählte Veranstaltungen mit KISS-Bezug aus „Spezielle Themen aus den Bereichen „Formale Sprachen“, „Theoretische Informatik“ [*].

Akzent 4: „Anwendungen und Vertiefungen“ (6KP) ermöglicht die Anwendung von Methoden und Techniken der Informations- und Softwaretechniken in konkreten Anwendungskontexten und erlaubt durch die frühzeitige Nutzung die Einschätzung und Bewertung dieser Verfahren in der Praxis. Akzent 4 umfasst neben den folgenden auch alle Module der Akzente 1 bis 3, die nicht belegt wurden.

  • Kommunizierende und mobile Systeme (inf 454)
  • Mensch/Maschine-Interaktion (inf100)
  • Datenmanagement im Gesundheitswesen (inf520)
  • Intelligent Systems (inf537)
  • Spezialvorlesungen (im Modulekatalog als "Spezielle Themen aus dem Gebiet ..." gekennzeichnet)
    • Informationssysteme I (inf170)
    • Informationssysteme II (inf171)
    • Softwaretechnik I (inf178)
    • Softwaretechnik II (inf179)
  • Hybride Systeme (inf300)
  • Umweltinformationssysteme (inf501)
  • Transportssysteme (inf650)
  • Spezielle Themen aus dem Gebiet 'Wirtschaftsinformatik' IV (inf693): Z.B. Produkt Engineering, Transportlogistik
  • Technologien des Wissensmanagements (inf539)

Akzent 5: „Seminar“ (6KP) bietet die eigenständige Aufbereitung und Präsentation ausgewählter, spezialisierter Themen zu Methoden, Techniken und Anwendung der Software- und Informationstechnik. Zu belegen sind 2 Seminare (jeweils 3KP), wovon mindestens eines aktuelle Themen der Informationssysteme und Softwaretechnik (Informationssysteme I/II, Softwaretechnik I/II) behandeln muss. Zur Vertiefung des Anwendungsbezugs kann das zweite Seminar auch anwendungsorientiere Themen behandeln. Im Einzelnen sind also folgende Module belegbar:

  • Seminare aus (Im Modulkatalog als "Aktuelle Themen aus dem Gebiet der ..." gekennzeichnet)
    • Informationssysteme I (inf172)
    • Softwaretechnik I (inf180)
    • Informationssysteme II (inf173)
    • Softwaretechnik II (inf181)
  • Seminar mit einem thematischen Bezug zur Vertiefungsrichtung[*]

Die beiden Nichtinformatik-Module „Wahl“ sind frei (Ausnahme siehe Akzent 1) wählbar. Es wird hier empfohlen, Veranstaltungen zu juristischen Aspekten von Software-Projekten zu belegen, z.B.:

    • Bürgerliches Recht und Handelsrecht (AS 1) bestehend aus 2 3KP VL, kann also z.B. mit 3KP Seminaren im Semester gekoppelt werden
      • Einführung in das Bürgerliche Recht (im WS) (2 VL)
      • Einführung in das Handelsrecht (2 VL)
    • Fernabsatz- u. Verbraucherschutzrecht (2VL 2S) (AS 14), das Modul setzt die Vorlesung (!) Einführung in das Bürgerliche Recht voraus
    • Rechtsinformatik (4VL) (MM3b oder MM 5b)
    • Datenschutzrecht (MM 7)
    • Materialgüterrecht (MM 5/RDW 1)
    • Projektmanagement (PB 87)

    Projektgruppe und Abschlussarbeit müssen einen thematischen Bezug zur Vertiefungsrichtung aufweisen[*].

    Studienplan

    Die Akzente sind so konzipiert, dass sie unabhängig voneinander belegt werden können. Hierdurch wird sowohl der Studienbeginn im Masterstudiengang zum Winter als auch zum Sommersemester ermöglicht. Die Abschlussarbeit sollte im letzten Semester erstellt werden.

    Abbildung 1 skizziert einen möglichen Studienplan für einen Beginn im Wintersemester und Belegung der Projektgruppe im zweiten und dritten Semester. Akzent 1: „Frühe Phasen der Softwaretechnik“ und Akzent 2: „Informationssysteme“ sollten dann im ersten Semester, und der Akzent 3. „Fortgeschrittene Methoden und Techniken“ im zweiten Semester belegt werden

    Veranstaltungen zu Akzent 4 „Anwendungen und Vertiefungen“ und Akzent 5: „Seminar“ können dann wahlweise im ersten oder dritten Semester belegt werden. Soweit die Bereichswahl Themenbereiche der praktischen bzw. angewandten Informatik betrifft, werden die in den Akzenten 1-4 aufgeführten, zu den Bereichen passenden, und nicht anderweitig belegten Module empfohlen.

    Hierdurch können auch individuelle Präferenzen der Studierenden bei der Planung des Masterstudiums zur Projektgruppe oder zu einem möglichen Auslandssemester berücksichtigt werden.

     1. Sem. Akzent 1:
    Frühe Phasen der Softwaretechnik

    Akzent 2:
    Informationssysteme

    Akzent 4:
    Anwendungen und Vertiefungen

    oder

    Akzent 5: Seminar

    Bereichswahl

    Bereichswahl

     2. Sem. Projektgruppe Akzent 3: Fortgeschrittene Methoden und Techniken Bereichswahl
    Wahl Nicht-Informatik
    3. Sem.

    Akzent 4:
    Anwendungen und Vertiefungen

    oder

    Akzent 5: Seminar
    Bereichswahl
    Wahl Nicht-Informatik
     4. Sem. Abschlussarbeit (Mastersthesis)

    Abbildung 1: Studienplan (Referenz)


    [1] Die Vertiefungsrichtung „KISS“ führt den im Bachelor vorhandenen Schwerpunkt „Informationssysteme und Software-Engineering“ konsequent im Informatik-Master weiter. Die neue Vertiefungsrichtung ist dabei so konzipiert, dass sie in analoger Form im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik angeboten werden kann.

    [*] Ob dies bei der gewünschten Thematik gegeben ist, bestätigen die Studienberater für die Vertiefungsrichtung.