Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung

Forschung

Forschungsschwerpunkte

Zwei Forschungsschwerpunkte sind derzeit am ZFG präsent. In ihnen wird inhaltlich ausgestaltet, was als übergreifende Fragestellung und gedankliche Grundlage den Forschungen am ZFG inhärent ist: Repräsentation/Repräsentationskritik, Migrationsbewegungen und die Diversität von Geschlecht.

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Repräsentationen von Geschlecht in unterschiedlicher Medialität, im Alltag und in den Künsten sind Forschungsgegenstand, während Repräsentationskritik grundlegende theoretische und methodische Fragestellungen beinhaltet. Sie schließt an theoretische Entwicklungen insbesondere im angelsächsischen Sprachraum an (z.B. Cultural Studies, feministische Filmtheorie, Postcolonial und Queer Studies), die gleichermaßen in kultur- wie in wissenschaftstheoretischen und -historischen Diskursen stattgefunden haben. Repräsentationen interessieren mithin nicht nur im politikwissenschaftlichen Sinne als Formen der Stellvertretung, sondern auch als Praktiken der Vergegenwärtigung, der Vorstellung und auch der Herstellung von vermeintlich natürlichen Entitäten wie Geschlecht/Gender. Die der Repräsentationskritik inhärente kritische Perspektive richtet sich auf Formen der Naturalisierung von geschichtlich Gewordenem, die der Stabilisierung und Legitimation von Ungleichheit, der Marginalisierung und Minorisierung dienen.

Diese kritische Perspektive ist von zentraler Bedeutung auch für die Analyse von Migrationsprozessen. Gegenstand der Forschungen am ZFG zu Migration sind daher nicht nur die weltweiten Prozesse erzwungener oder auch freiwilliger Wanderung von Menschen, sondern darüber hinaus Migrationen von materiellen oder visuellen Objekten. Unter den Bedingungen einer zunehmenden und keineswegs konfliktfrei sich vollziehenden Globalisierung der Ökonomie und der sich beschleunigenden Zirkulation von Informationen via Internet gewinnt die Frage an Bedeutung, in welcher Weise Bilder/Texte/Musik zirkulieren und inwiefern sich darüber unterschiedliche kulturelle Kontexte überkreuzen und überlagern – und nicht zuletzt, inwiefern darüber auch Prozesse der Naturalisierung von Ungleichheiten und Behauptungen der Universalisierung europäisch-westlicher Kultur(en) gestützt werden. Repräsentationskritik auf dem Feld der Erforschung von Migrationen – von Menschen und Dingen – beinhaltet notwendig auch eine Kritik der Homogenitätsvorstellungen von Kulturen und verschränkt sich so mit der Perspektive der Transkulturalität.

Daraus ergibt sich eine Perspektive auf Geschlecht, welche der Vielfalt seiner sozio-kulturellen Ausformungen Rechnung trägt: "Weiblichkeit" und "Männlichkeit" sind keine homogenen Kategorien, sondern werden immer im Zusammenhang mit anderen Differenz-setzenden Kategorien hervorgebracht, wie Sexualität, "Rasse", soziale oder kulturelle Herkunft, Alter, Befähigung etc. Gender-Diversität stellt daher einen zentralen Ansatzpunkt dar.

  1. Wissen, Institution, Gedächtnis

    Der Forschungsschwerpunkt Wissen, Institution, Gedächtnis umfasst Projekte, die sich mit der Fokussierung auf die Bedeutung der Kategorie Geschlecht kritisch mit der Erzeugung, Tradierung und kontinuierlichen Verbreitung von Wissen auseinandersetzen und den Bedingungen und Formierungen von Gedächtnis nachgehen.

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    Fragen der institutionellen Regulierung wie der Kanonisierung, der Generierung und Diskursivierung von Wissen und kulturelle Praxen der Erinnerung spielen dabei eine wesentliche Rolle. Es geht darum, die Produktion von Wissen als solche wahrzunehmen und damit ihren Konstruktionscharakter zu dechiffrieren und auf die Mechanismen ihres Entstehens und ihre Auswirkungen hin zu befragen. Die Kategorie Geschlecht wirkt, im Zusammenspiel mit anderen Differenz-Kategorien wie Klasse, "Rasse", Sexualität u.a., als zentrales Konstruktionsprinzip. Im Kern steht an, die Wirkmacht von Wissensproduktion, die Mechanismen ihrer Entstehung, ihre Funktion und letztlich ihre Gestaltbarkeit und Veränderbarkeit zu thematisieren. Das Forschungscluster partizipiert hierbei aktiv an der Schnittstelle zwischen wissenschaftstheoretischer/-historischer, kulturwissenschaftlicher und genderpolitischer Forschung, die derzeit in Deutschland von hoher Dynamik geprägt ist.

    Forschungsprojekt "Geschlechterwissen in und zwischen den Disziplinen: Kritik, Transformation und ‚dissidente Partizipation‘ an (akademischer) Wissensproduktion" Verbundprojekt der Universitäten Oldenburg und Braunschweig im Rahmen der MWK-Ausschreibung "Geschlecht – Macht – Wissen" 

  2. Transkulturalität und Migrationen

    Zu den zentralen UN-Milleniumsentwicklungszielen gehört der Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit. Zur Analyse der Möglichkeitsbedingungen ihrer Durchsetzung leistet kulturwissenschaftliche Geschlechterforschung einen wichtigen Beitrag.

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    Sie ist zum einen interessiert an den Effekten, die Prozesse von Migration, Flucht und Entwicklungspolitik für die Geschlechterverhältnisse in regionaler wie auch globaler Hinsicht haben, zum anderen aber auch an der Politik der Bilder, die diese Prozesse mit beeinflussen. Die durch die Globalisierung der Ökonomie und das Internet zunehmend beschleunigte globale Zirkulation von Dingen, Bildern und Texten stellt eine Herausforderung an tradierte Vorstellungen von "Kultur" und "Geschlecht" ebenso wie von Identität und Differenz und ihre wechselseitigen Bestimmungen dar. Die Forschungsperspektive der Transkulturalität öffnet den Blick auf die immer schon vorhandene Durchmischung von "Kulturen" und den ihr inhärenten Hierarchien und In-/Exklusionen sowie das koloniale Erbe.

    Gepaart mit einer geschlechterkritischen Fragerichtung kann Transkulturalität zugleich gegen normalisierende Strategien der Universalisierung "westlicher Kultur" wappnen wie gegen eine damit häufig verknüpfte Vorstellung der angeblich überall gleichen "Natur" der Geschlechter zugunsten ihrer Diversität.

    Forschungsprojekt "Geflüchtete Frauen und Gewalt. Traumabewältigung, Intervention und Prävention im Nach-Flucht-Kontext" im Rahmen des Verbundprojektes "Gender – Flucht – Aufnahmepolitiken. Prozesse vergeschlechtlichter In-/Exklusion in Niedersachsen" der Universitäten Göttingen, Osnabrück, Lüneburg und Oldenburg


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