Ökonomie der Gemeingüter

Entwicklung ökologisch gezüchteter Obstsorten in gemeingutbasierten Initiativen (EGON)

  • Der interdisziplinäre Forschungsverbund EGON untersucht die Entwicklung von ökologisch gezüchteten Obstsorten in gemeingutbasierten Initiativen. Dieser Züchtungsansatz ist geprägt durch die Nutzung der genetischen Vielfalt alter und besonderer Obstsorten in der Züchtung und der praktisch-partizipativen Durchführung in einer Gemeinschaft von Landwirten und Züchtern. In EGON werden Untersuchungen aus verschiedenen Perspektiven durchgeführt, um diesen Züchtungsansatz ökologisch, ökonomisch und sozial zu bewerten.

    Dabei sollen die folgenden übergeordneten Forschungsfragen diskutiert werden:

    - Wie können nachhaltiger regionaler Obstbau gesichert, innovative ökologische Züchtungskonzepte entwickelt und eingeführt und der Zugang zu den entstehenden Obstsorten offengehalten werden?

    - Was sind die Unterschiede eines partizipativ-ökologischen Züchtungsansatzes im Vergleich zu anderen Ansätzen?

    - Welche ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen hat der partizipativ-ökologische Züchtungsansatz?

    - Welche Implikationen hat die genetische Vielfalt der genutzten Sorten im Züchtungsprozess?

    Die Forschungsbeiträge sollen auch auf andere Kernobstsorten übertragbar sein und einen Beitrag zur Diskussion über nachhaltigen Obstbau, Agrobiodiversität und Ernährungssouveränität leisten.

  • Kontakt

    Hendrik Wolter

    Wissenschaftlicher Mitarbeiter (sozialwissenschaftliches Teilprojekt)

    Mail: hendrik.wolter1(at)uni-oldenburg.de

    Tel.: 0441 / 798-2983

     

    Nicholas Howard

    Wissenschaftlicher Mitarbeiter (naturwissenschaftliches Teilprojekt)

    Mail: nicholas.howard(at)uni-oldenburg.de

     

     

     

Forschungsansatz

Das Vorhaben zeichnet sich durch eine enge und integrierte Form der Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlich-züchterisch tätigen Akteuren, Organisationen und wissenschaftlichen Partnern aus. Neben einem regelmäßigen disziplinübergreifenden und problemorientierten Wissensaustausch zwischen den Forschungs- und Praxispartnern werden gemeinsam Exkursionen, Konferenzbesuche oder Lehrveranstaltungen an der UOL durchgeführt. Darüber hinaus werden Praxisakteure aus dem ökologischen Obstbau und -handel z.B. durch transdisziplinäre Workshops in den Forschungsprozess eingebunden, um Projektergebnisse zeitnah auf Bedarfsangemessenheit und Umsetzbarkeit hin zu erörtern.

Insgesamt folgt EGON dem Forschungsansatz der Inter- und Transdisziplinarität. Die Definition und Entwicklung des Forschungsvorhabens in der Vorphase des Projekts erfolgte in enger Abstimmung und auf Augenhöhe zwischen den Forschungs- und Praxispartnern. Forschungsbeiträge aus dem Projekt sollen eine praktische Relevanz für Obstbau und -züchtung haben. EGON ist in drei Teilprojekte unterteilt, die in einem regelmäßigen Austausch zu einander stehen:

(1) Angewandtes Teilprojekt: Praktische ökologische und partizipative Apfel- und Birnenzüchtung durch den Praxispartner Apfel:gut.

(2) Naturwissenschaftliches Teilprojekt: Analyse und Bewertung der genetischen Vielfalt einer breiten und vielfältigen Reihe von Apfelsorten, die im Projekt Apfel:gut genutzt werden.

(3) Sozialwissenschaftliches Teilprojekt: Konzeptualisierung, ökologisch-ökonomische Analyse und Bewertung des gemeingutbasierten Züchtungsansatzes sowie Ausarbeitung einer Vermarktungsstrategie der entstehenden Sorten.

Hintergrund

Heutzutage findet die konventionelle Apfelzüchtung in Deutschland meist unter intensiven Pflanzenschutzbedingungen statt und tendiert dazu, sich mehr und mehr auf laboratorische Ansätze zu verlassen. Diesen fehlt häufig der Fokus auf Robustheit als Züchtungsziel. Moderne Apfelsorten, die in den letzten Jahrzehnten global gezüchtet wurden, stammen in erster Linie aus lediglich fünf Stammeltern. Diese enge genetische Basis hat einen negativen Einfluss auf die Vitalität und damit auf die Robustheit der heutigen meistangebauten Apfelsorten. Darüber hinaus ist der Markt für Tafeläpfel von einer wachsenden Kurzfristigkeit geprägt. Eine immer größere Anzahl von Sorten wird regelmäßig in den Markt eingeführt und verschwindet relativ schnell wieder. Anknüpfend daran erfahren Apfelsorten durch sogenannte Clubkonzepte eine zunehmende Privatisierung, die den Zugang zu Apfelsorten für Obstbauern einschränken.    

Diese Eigenschaften der modernen konventionellen Apfelzüchtung und des Anbaus stehen den spezifischen Bedürfnissen und Zielen der ökologischen Apfelproduktion sowie einer nachhaltigen Entwicklung der Obstzüchtung konträr gegenüber. Im Bereich des ökologischen Obstbaus hat der Handel durchgesetzt, dass die Früchte komplett frei von Schorf sein müssen, weshalb die Pflanzenschutzmaßnahmen zur Kontrolle des Schorfes den Großteil der Pflanzenschutzmaßnahmen im Apfelanbau ausmachen. Sorten, die mit einem minimierten Pflanzenschutzprogramm schorffreie, für den ökologischen Landbau geeignete und gleichzeitig den Marktanforderungen entsprechende, qualitativ hochwertige Früchte produzieren, sind aktuell nicht verfügbar. Somit beginnt beim Obst mit der ökologisch motivierten Züchtung eine notwendige Pionierarbeit.

Die Projektpartner wollen vor allem die große genetische Vielfalt alter und besonderer Apfel- und Birnensorten nutzen, die sich durch eine Robustheit gegenüber Pilzkrankheiten auszeichnen. Ein Schwerpunkt der Züchtung soll dabei auf der Vitalität und der Resistenz gegenüber dem Schorf verursachenden Pilz Venturia inaequalis liegen. Die resultierenden neuen Sorten sollen sich mit weniger Pflanzenschutzmitteln kultivieren lassen, gemeinnützig entwickelt und folgerichtig als Gemeingut nutzbar sein.

Unsere Hypothese ist, dass ein gemeingutbasierter ökologischer Züchtungsansatz vorteilhafter für die Entwicklung und Einführung von Apfelsorten für den ökologischen Obstbau ist als konventionelle Züchtungsansätze. Der gemeingutbasierte ökologische Züchtungsansatz beinhaltet die Nutzung alter und robuster Sorten für die Züchtung, Prüfungen in einem ökologischen Umfeld und die Behandlung von Pflanzgut und Sorten als Gemeingut. Wir stellen die Hypothese auf, dass diese Art der Züchtung vorteilhafter für eine langfristige und nachhaltige Organisation von Obstzüchtung im ökologischen Obstbau ist.

Forschungspartner

Im Projekt arbeiten der Koordinator Prof. Dr. Bernd Siebenhüner, Inhaber der Professur für Ökologische Ökonomie, Prof. Dr. Dirk Albach, Leiter der Arbeitsgruppe „Biodiversität und Evolution der Pflanzen“, und Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach, Juniorprofessorin für Ökonomie der Gemeingüter, zusammen.

Foto: (v.l.n.r. hinten) Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach, Martin Lutzmann, Dr. Nicholas Howard, Hendrik Wolter, Matthias Ristel, Bernd Hagge-Nissen, Inde Sattler, (v.l.n.r. vorne) Sebastian Voigt, Prof. Dr. Bernd Siebenhüner, Prof. Dr. Dirk Albach

Praxispartner

Der Förderverein „Saat:gut e.V.“ mit seinem ökologisch-partizipativen Züchtungsprojekt „Apfel:gut“ sowie der Versuchs- und Beratungsring „Öko-Obstbau Norddeutschland“ (ÖON) werden für die praktische Züchtung zuständig sein.

Zusätzlich wird durch den Einbezug des Botanischen Gartens der Universität Oldenburg als Zuchtgarten für Äpfel das Netzwerk von Apfelzüchtern um eine wissenschaftliche Institution erweitert. Ziel ist es, den Botanischen Garten langfristig als Standort für die ökologische Zucht von Äpfeln zu etablieren und in bestehende Netzwerke zu integrieren.

Publikationen & Präsentationen

Publikationen aus EGON:

  • Sievers-Glotzbach, S.; Wolter, H. (2018): Bringing Commons elements into fruit breeding. In: Ecofruit. 18th International Conference on Organic-Fruit Growing: Proceedings, 19-21 Februar 2018, Hohenheim, Deutschland. S. 19-28. Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO).
  • Howard, N. P.; Albach, D. C.; Luby, J. J. (2018): The identification of apple pedigree information on a large diverse set of apple germplasm and its application in apple breeding using new genetic tools. In: Ecofruit. 18th International Conference on Organic-Fruit Growing: Proceedings, 19-21 Februar 2018, Hohenheim, Deutschland. S. 88-91. Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO).
  • Wolter, H.; Howard, N. P.; Ristel, M.; Sievers-Glotzbach, S.; Albach, D.C.; Sattler, I.; Siebenhüner, B. (2018): Research Project EGON: Development of organically bred fruit varieties in commons-based initiatives. In: Ecofruit. 18th International Conference on Organic-Fruit Growing: Proceedings, 19-21 Februar 2018, Hohenheim, Deutschland. S. 92-95. Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO).

Publikationen aus dem "Apfel:gut"-Projekt:

  • Ristel, M.; Bornemann, M.; Sattler, I. (2018): Apfel:gut - preliminary results. In: Ecofruit. 18th International Conference on Organic-Fruit Growing: Proceedings, 19-21 Februar 2018, Hohenheim, Deutschland. S. 96-99. Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO).
  • Ristel, M.; Sattler, I.; Bannier, H.-J. (2016): More vitality, genetic diversity and less susceptibility as an organic fruit breeding strategy. Download.
  • Sattler, I.; Bannier, H.-J. (2016): Apfelzüchtung: Umfassende Vitalität statt monogener Schorfresistenz. In: Öko-Obstbau (2) 2016. S. 26-28. Download.
  • Ristel, M.; Sattler, I. (2014): Participatory organic fruit breeding. In: Ecofruit. 16th International Conference on Organic-Fruit Growing: Proceedings, 17-19 February 2014, Hohenheim, Germany. S. 158-161. Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO). Download.
  • Sattler, I.; Ristel, M.; Heyne, P. (2013): Apfel:gut - Entwicklung ökologisch gezüchteter Obstsorten. In: Pomologen-Verein e.V., Jahresheft 2013. S. 52-57. Download.

Sonstiges:

Laufzeit

2017 - 2019

Förderung

Die niedersächsische Landesregierung fördert das dreijährige Vorhaben aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung. Der Forschungsverbund ist eines von insgesamt fünf Vorhaben, das die Landesregierung zur Stärkung einer nachhaltigen Agrarproduktion ab 2017 fördert.