17.05.2018 – Aktuelles

Übergang von Fachschule an Universität optimiert
C3L und berufsbildende Schulen stimmen Lehrinhalte aufeinander ab

„Mit diesem Projekt etablieren wir eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Universität und den beteiligten Berufsbildenden Schulen. Wir wollen so für ähnliche Vorhaben beispielgebend sein“, sagt Prof. Dr. Anke Hanft, Projektleiterin und wissenschaftliche Direktorin des C3L – Center für lebenslanges Lernen an der Universität Oldenburg. Oliver Pundt, Leiter der Berufsbildenden Schule (BBS) Oldenburg/Wechloy stimmt ihr zu: „Ein großer Erfolg des Projekts ist, dass zwei Institutionen, die über Jahrzehnte parallel nebeneinander existiert haben, jetzt miteinander reden. Die Kooperation läuft sehr gut. Auf beiden Seiten sind motivierte Leute dabei. Alle hören sich gegenseitig zu und geben sich Anregungen.“
Das Projekt, von dem beide sprechen, heißt „Gestaltung der Durchlässigkeit von Studium und Beruf durch Digitalisierung“ und wird vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) mit rund 375 000 Euro gefördert. Sein Ziel ist es, „Staatlich geprüften Betriebswirtinnen und Betriebswirten“ einen optimalen Übergang in das berufsbegleitende Bachelorstudium „Business Administration für mittelständische Unternehmen“ zu ermöglichen.
Dazu stimmen das C3L und die Berufsbildenden Schulen Oldenburg/Wechloy und Aurich ihre Lehrinhalte aufeinander ab.
„Sind diese zum Beispiel an der Fachschule der BBS in Personalmanagement bereits zu 70 Prozent mit denen an der Uni identisch, könnten wir sie so anpassen, dass das Modul vollständig angerechnet werden kann. Dies verkürzt das Bachelorstudium“, erläutert Tim Zentner, Bereichsleiter für berufsbegleitende Studiengänge am C3L. „Unterscheiden sich die Inhalte so stark, dass eine Anrechnung nicht möglich ist, können wir unsere Lehre so ausrichten, dass sie möglichst nahtlos an das Wissen der Betriebswirte anschließt.“
Die Digitalisierung ist ein zweiter wichtiger Punkt des Projekts. Am C3L gehören online-basierte Unterrichtseinheiten neben kurzen Präsenzphasen zum Alltag, während die Fachschulen bisher auf Unterricht vor Ort in den Abendstunden setzen.
„Online-Lernphasen sind auch für unsere Schüler und Fachschüler sehr interessant. Denn unser Einzugsbereich wird immer größer. Für Buchhändler gibt es zum Beispiel nur etwa vier Schulen im Bundesgebiet“, erläutert Oliver Pundt.
In Aurich kommt noch die Lage in der Fläche dazu. „Bei uns besuchen zum Beispiel Schifffahrtsfachleute aus Leer berufsbegleitend die Fachschule. Sie arbeiten 40 bis 50 Stunden pro Woche, dazu kommen noch 15 bis 20 Stunden Unterricht mit jeweils etwa zwei Stunden Fahrzeit nach Aurich und zurück. Für diese Gruppe ist internetbasiertes Lernen von zu Hause aus sehr interessant“, sagt Jörg Menne, Abteilungsleiter Berufsschule Wirtschaft und Fachschule Betriebswirtschaft an der BBS Aurich.
Ein anschließendes Bachelorstudium in Oldenburg wird für viele der Staatlich geprüften Betriebswirte aus Ostfriesland erst durch die online-Lernphasen realistisch. „Die Betriebe in der Region honorieren den Einsatz von Mitarbeitern, die sich berufsbegleitend weiterbilden. Sie sehen, dass diese jungen Leute für das mittlere Management qualifiziert sind“, ergänzt Wilhelm Mammen, Leiter der BBS Aurich. „Auch wollen viele unserer Fachschüler in der Region bleiben. Sie haben hier Häuser gebaut, Familien gegründet und sind in den Vereinen eingebunden. Wir möchten auf die Lebenssituation dieser jungen Menschen eingehen, indem wir sowohl selbst Online-Angebote in unsere Lehre einbauen, als auch optimale Möglichkeiten für ein anschließendes Studium in Oldenburg entwickeln.“
„Ob dies gelingt, kann noch während der Laufzeit des Projekts überprüft werden“, sagt Zentner. „Denn innerhalb der zwei Jahre wird es erste Absolventinnen und Absolventen der Fachschule geben, die ein Bachelorstudium aufnehmen können.“

Kontakt:

C3L – Center für lebenslanges Lernen
Tim Zentner
Bereichsleitung – Berufsbegleitende Studiengänge
Telefon: 0441 / 798 44 33
E-Mail: t.zentner(at)uni-oldenburg.de